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La Palma

Observatorium

Blick in die Sterne vom Roque de los Muchachos

Wegen des wolkenfreien Klimas und der Dunkelheit befinden sich im Norden der Insel, in der Gipfelregion des Roque de los Muchachos zahlreiche internationale astronomische Observatorien. Um störende Lichteffekte zu minimieren, wurden auf La Palma diverse Vorschriften erlassen, um unnötige Lichtemissionen z.B. durch Straßenbeleuchtung oder Werbeflächen zu begrenzen. Das sogenannte Große kanarische Teleskop (Gran Telescopio Canarias) wurde im Jahr 2009 eröffnet und gilt als das größte Spiegelteleskop der Welt.

Die Sternwarte auf La Palma

Eigentlich spricht man heutzutage nicht mehr von Sternwarten: Astronomische Beobachtungsstationen wird in solchen Fällen gesagt oder astrophyische Observatorien. Die Sternwarte von La Palma heißt offiziell “Observatorio del Roque de Los Muchachos”, und jeder Berufsastronom weiß von ihr. Der Standort wurde gewählt, weil auf La Palma durch das weitgehende Fehlen von Industrie die Luft ziemlich sauber ist und die Astronomen zudem möglichst hohe Lagen für die Aufstellung von Teleskopen bevorzugen. Sehr viel höher kann man indes nicht hinaus; zu dünn würde sonst die Luft für die Mitarbeiter.

Gesetz gegen Lichtverschmutzung

Damit auch die sogenannte Lichtverschmutzung in Grenzen gehalten wird, wurde – einzig in der Welt – ein kanarisches Gesetz erlassen, das Einschränkungen in der Verwendung von Beleuchtungen verfügen kann. Lichtreklamen müssen nach Mitternacht ausgeschaltet und alle Straßenbeleuchtungen auf die weniger lichtverschmutzenden gelben Lampen umgestellt werden. Ein astrophysischer Komplex wie auf dem Roque de Los Muchachos ist eine sehr teure Angelegenheit und wirft keinen Gewinn im landläufigen Sinn ab. Deshalb nehmen an einer derartigen Investition in der Regel mehrere Länder teil. So ist das auch mit dem Observatorium auf La Palma. Jahre vorbereitender Verhandlungen und Planungen waren notwendig, bis feststand, welche Nationen sich an dem Projekt beteiligen würden. Im Jahr 1979 konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden. Spanien verpflichtete sich, den Standort mit der nötigen Infrastruktur zu versehen wie Zufahrtsstraßen, Energieversorgung und dergleichen. Dafür können spanische Wissenschaftler die Einrichtungen zu 20 Prozent der für Beobachtungen verfügbaren Zeit nutzen. Jahrelang wurde emsig an dem Projekt gearbeitet. Von Mirca ausgehend wurde im Osten eine befestigte Straße auf den Berg gebaut und im Westen ebenso oberhalb von Garafía. Auf diesen Zufahrten wurde pausenlos Baumaterial nach oben gebracht und später, in Einzelteilen, die eigentlichen astronomischen Einrichtungen.

1985 war es so weit: Eine Reihe gekrönter und ungekrönter Staatsoberhäupter aus ganz Europa nebst einiger regionaler und lokaler Würdenträger gaben sich auf dem Roque de Los Muchachos ein Stelldichein und weihten das Observatorium feierlich ein. Danach wurde auf dem Berg nicht mehr gefeiert, sondern nur noch beobachtet und geforscht. Das Feinste vom Feinen auf dem Gebiet der Astronomie hatte man den Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt.

Vier Teleskope mit großen sogenannten Primärspiegeln stehen inzwischen auf dem Roque de Los Muchachos.

Eines der ersten einsatzfähigen war das Isaac-Newton-Teleskop mit einem Primärspiegel von 2,5 Meter Durchmesser. Dieses Teleskop ist nicht das neueste auf dem Berg, denn es stammt aus dem Jahr 1967 und stand ursprünglich in England. Es wurde dort abgebaut, zerlegt und auf La Palma wieder aufgebaut. Dennoch ist es nur scheinbar ein Oldtimer, denn anläßlich des Standortwechsels wurde es mit allen verfügbaren Neuerungen technischer und elektronischer Art nachgerüstet.

Ein weiteres Großspiegelteleskop ist das NOT (Nordisches Optisches Teleskop); es hat ebenfalls einen 2,5-Meter-Spiegel und eine ähnlich große Leistungsfähigkeit wie das Newton-Teleskop.

Das nächstgrößte Teleskop ist nach dem Kirchen-Rebell Galileo Galilei benannt. Es ist brandneu und erst in diesem Jahr “ans Licht” gegangen. Mit seinem 3,6-Meter-Spiegel ist es naturgemäß bedeutend leistungsfähiger als die Newton-Anlage. Neu ist bei dem “Telescopio Nacional Italiano Galileo” eine Automatik, die Bildverfälschungen durch Verziehungen des Spiegels, temporäre Ungenauigkeiten in der weiteren Optik und Atmosphäreneinflüsse ausgleicht.

Das größte Teleskop in Westeuropa

Den größten Spiegel in Westeuropa mit 4,2 Metern Durchmesser hat das William-Herschel-Teleskop. Diese Anlage ist die leistungsfähigste, die der Roque de Los Muchachos den Astronomen und Astrophysikern derzeit zu bieten hat, und arbeitet seit 1987. Drei weitere, deutlich kleinere Teleskope mit Spiegeln bis zu 70 cm Durchmesser vervollständigen die optischen Anlagen für Nachtbeobachtungen auf dem Roque de Los Muchachos.

Die Sonnenwarten auf dem Berg sehen ganz anders aus als die Sternwarten mit ihren Kuppeln. Schlanke Türme fangen oben das Sonnenlicht mit einem relativ kleinem Spiegel ein und leiten es nach unten in den Beobachtungsraum. Eine der Sonnenwarten wird von Schweden betrieben, die andere von Holland. Größere Spiegel sind nicht angebracht; sie würden die Optik zu sehr erhitzen und schmelzen lassen.

Und ganz und gar nicht wie eine Sternwarte sieht das Projekt “HEGRA” aus: Hier werden mit Dutzenden von Detektoren, die aussehen wie überdimensionierte Bienenkästen, energiereiche Strahlen aus dem All aufgespürt. Diese Anlage erreichte eine traurige Berühmtheit dadurch, daß sie im vergangenen Winter bei einer Feuerwehrübung, bei der echtes Feuer eingesetzt wurde, ankokelte, wobei für mehr als 100 Millionen Peseten Schaden entstand. Man schämte sich unbeschreiblich dafür auf La Palma und veröffentlichte den Vorfall erst, nachdem ausländische Medien darüber berichtet hatten.

Im Inneren der Teleskope geht es zur Arbeitszeit scheinbar gar nicht geschäftig zu. Niemand schaut mehr in den Himmel, indem er sein Auge an ein Okular preßt. Das macht heutzutage eine hochauflösende Fernsehkamera. Die überträgt auf Bildschirme in Nebenräumen, was die Optik am Himmel entdeckt. Gleichzeitig wird über Computerprogramme das gesichtete Material nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten aufgearbeitet und gespeichert. Die gespeicherten Daten werden täglich an die inländischen und ausländischen Institutionen übermittelt, deren Astronomen gerade forschend beobachten. Dort werden sie dann in wochen- bis monatelanger Arbeit ausgewertet.Deshalb dringt selten eine aufsehenerregende Nachricht direkt von dem Astropysischen Komplex auf dem Roque de Los Muchachos an die Öffentlichkeit. Viele Entdeckungen sind für das breite Publikum schlichtweg unbegreiflich und nur für die Experten interessant. Eine verstärkte Aussendung von ultraviolettem Licht, beispielsweise, von einem bestimmten Gestirn kann Astronomen und Astropysiker in Aufregung versetzen, wird den unbedarften Laien jedoch ziemlich kalt lassen.

Schwarze Löcher und Braune Zwerge

Anders wenn seltene großartige Ereignisse auf den Bildschirmen auftauchen. Eine Supernova beispielsweise, läßt jeden Teleskopbenutzer das Herz höher schlagen und vor Aufregung die Hände feucht werden. Eine Supernova nennen die Experten die Explosion einer Sonne oder einer Doppelsonne. Nur kurze Zeit dauert das Ereignis. “Man muß zur rechten Zeit das Teleskop auf den richtigen Himmelsausschnitt eingestellt haben”, sagen die Astronomen und wollen damit ausdrücken, daß die Beobachtung von Supernovas reiner Zufall ist. Supernovas sind gar nicht mal so selten. Sie finden jedoch weit, weit draußen im Weltall statt, und die Wahrscheinlichkeit ist gering, daß sie in dem eingeengten Gesichtsfeld auftauchen, auf das der Beobachter gerade das Teleskop eingestellt hat.

Aufnahmen von Supernovas werden manchmal im Fernsehen gezeigt und beeindrucken auch astronomische Laien.

Ebenso gehört das Aufspüren eines Schwarzen Lochs zu den aufregenden Momenten der beobachtenden Astronomen. Die Schwarzen Löcher sind Stellen im Universum, wo scheinbar nichts ist. In Wirklichkeit ist an dem Ort jedoch ein Stern von außerordentlich großer Masse, die indes auf einem sehr kleinen Raum zusammengedrängt ist. Dadurch ist die Gravitationskraft dermaßen groß, daß ihr nicht einmal die Lichtstrahlen enkommen können, so daß nichts sichtbar ist.

Die Lokalisierung der “Schwarzen Löcher” kann nur über indirekte Beobachtungen erfolgen: Unregelmäßigkeiten in den Bahnen benachbarter Himmelskörper weisen auf die Existenz der Schwarzen Löcher hin. Sie sind beständig, so daß die Teleskope immer wieder auf sie ausgerichtet werden und die Beobachter versuchen können, weitere Einzelheiten herauszufinden. Noch nicht lang ist es her, da wurden sogenannte “Braune Zwerge” entdeckt. Ihre Existenz war ebenso wie die “Schwarzen Löcher” theoretisch bereits postuliert. Erstmalig konnte man “Braune Zwerge” mit den Einrichtungen auf dem Roque de Los Muchachos konkret ausmachen, wenn auch nicht direkt sehen, denn auch die Braunen Zwerge sind unsichtbar. Landläufig könnten sie als “missing link” zwischen Sonnen-Sternen und gewöhnlichen Planeten bezeichnet werden. Mit ihrer relativ geringen Dichte weisen sie keine Kernfusion auf wie die Sonnen-Sterne, strahlen aber trotzdem Energie ab. Auch hier kann die Lokalisierung nur über die Beobachtungen des Bahnverhaltens benachbarter Himmelskörper erfolgen.

Faustischer Wissensdrang

Mit den leistungsfähigen Teleskopen der heutigen Zeit können auch lichtschwache Himmelskörper in großen Entfernungen ausgemacht werden. Immer mehr Planeten von anderen Sonnensystemen lassen sich aufspüren. So etwas ist außerordentlich; schließlich sind diese Himmelskörper Billionen von Kilometern von der Erde entfernt und leuchten nur schwach. Daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält… läßt Goethe seinen wissensdurstigen Faust ausrufen. Dessen Wissensdurst haben die Astronomen allemal, aber um ihn zu stillen, brauchen sie immer größere und leistungsfähigere Teleskope, und die werden ihnen gebaut.

Das größte, das es derzeit auf unserem Planeten gibt, steht auf dem Cerro Paranal bei dem chilenischen Antofagasta und wurde unlängst in Betrieb genommen. Erstmals wurde ein “Riesenspiegel” mit 8,2 Metern Durchmesser verwendet. Der technische Aufwand, diese Glasscheibe in der gewünschten Idealform zu halten, ist enorm. Noch ist es zu früh, dieses Teleskop zu würdigen; die Astronomen müssen erst lernen, damit umzugehen. Weitere großkalibrige Teleskope auf diesem Berg sind vorgesehen, so daß dort in einigen Jahren die größte astronomische Station der Erde stehen wird.

Das schmälert jedoch nicht die Wichtigkeit der Anlage auf La Palma. Mit einem Teleskop an einem determinierten Standort kann man immer nur eine Hälfte des Himmels beobachten. Auf dem Roque de Los Muchachos können die Astronomen nie das Kreuz des Südens sehen, ebenso wenig wie die Kollegen auf dem Cerro Paranal den Großen Bären. Zudem rüstet La Palma nach. Ein Teleskop mit einem 10-Meterspiegel ist im Entwurf bereits fertig und wird auf dem Roque de Los Muchachos gebaut, sowie die Finanzierung ausgehandelt ist. Mehrere Länder, und – erstmals – die Europäische Union werden sich an dem neuen Teleskop beteiligen. “Grantecan” wird es heißen – Gran Telescopio Canario. Allerdings wird der Spiegel nicht aus einem Stück bestehen, sondern aus 36 sechseckigen Einzelspiegeln. Aneinandergefügt und computergesteuert ausgerichtet können sie fast ebenso viel Licht aus dem Weltall einfangen wie ein 10-Meter-Spiegel aus einem Stück. In nie erreichte Weiten wollen die Astronomen mit diesem Riesenteleskop spähen, um dem Geheimnis der Entstehung des Universums und dessen Weiterentwicklung auf die Spur zu kommen.

Sonnenflecken gigantischer Ausmaße

Bescheiden muten dagegen die Entfernungen an, mit denen sich die Sonnenbeobachter abgeben: knapp 150 Millionen Kilometer ist das Zentralgestirn unseres Planetensystems von der Erde entfernt. Die meiste Aufmerksamkeit schenken die Beobachter den Sonnenflecken. Sie waren schon in der Antike bekannt – außer in Europa. Dort entdeckte man sie erst 1611. Ein Sonnenfleck ist niemals unter 1.000 Kilometer groß und kann bis zu 100.000 Kilometer Ausdehnung erreichen. Wo er erscheint, enstehen starke magnetische Felder, die bis zur Erde ausstrahlen und den Funkverkehr empfindlich stören können. Selten wird ein Sonnenfleck alt: Nach ein bis vier Tagen verschwindet er normalerweise wieder; allerdings sind auch schon Sonneflecken mit einer Lebensdauer von 100 Tagen beobachtet worden. Ungeklärt ist bis heute, warum Sonnenflecken auffallend gehäuft ungefähr alle 11 Jahre auftauchen.

Seit langer Zeit weiß man um die ungeheure Energiemenge, die die Sonne abstrahlt. Sie ist allerdings nur minimal gering im Vergleich zu der Energie, die insgesamt im Universum vorhanden ist. Milliarden Sonnen gibt es allein in der Milchstraßengalaxis, und viele Milliarden Galaxien wiederum gibt es im gesamten Kosmos. Bei der Entstehung des Universums wurde anläßlich des Urknalls ein Großteil der Energie der Abermilliarden von Sonnen freigesetzt. Das war, schätzen die Wissenschaftler, vor 14 bis 15 Milliarden Jahren.

Der Urknall, international Big Bang genannt, wird fast von allen Wissenschaftlern der Astronomie und Astrophysik akzeptiert. Mit ihm läßt sich erklären, warum sich das Universum stetig ausdehnt. In dieser Bewegung wird es nicht langsamer, wie bislang angenommen; das jedenfalls haben unlängst die Forschungen der auf dem Roque de Los Muchachos arbeitenden Wissenschaftler ergeben. Ähnliches hatte seinerzeit schon Albert Einstein postuliert. Später revidierte er jedoch seine Erkenntnis. Die stetige und gleichförmige Ausdehnung des Weltalls bedeutet den Verbrauch der vorhandenen kosmischen Energiemengen, und wenn einmal keine Sterne mehr strahlen, wird es unbeschreiblich kalt im Universum.

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