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Abtauchen, / Ausschwitzen, Aussitzen, und bloß nicht hingucken |
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Donnerstag 02.09.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe , Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 40 % - Luftdruck 1017 hPa |
Viele Dinge, vielleicht sogar die meisten, erledigen sich von selbst. - Das ist doppelt praktisch, wenn es sich um unangenehme Dinge handelt, denn im Dunstkreis von Problemen lässt sich einfach kein Strahlefoto für die Presse ablichten, und wer will schon grübelnd und aussichtslos an der Stätte des Handlungsbedarfs aufgenommen werden. - Ich habe großes Verständnis für so etwas, warum sollte sich eine Inselpräsidentin mit verzweifelten Tierschützern ablichten lassen, oder gar etwas zum Thema sagen, das kann doch nur nach hinten losgehen. - Tänzelnd ausweichen, lächelnd den vorzeitigen Ausfallschritt üben, den Tango der Unauffälligkeit proben, so lange bis wieder grünes Licht die Bühne freigibt und andere Themen Applaus und Lächeln garantieren. - Bei weitem nicht so gravierend wie in Sachen abgelegter Hunde und Katzen, erleben wir gerade wieder das Ballett der Schande unserer politischen Führung, am Krankenhaus, wo alle nach Problem verreist sind. - Unser Krankenhaus hat keine Parkplätze mehr, und keiner hat Schuld an dem Umstand und jeder ist im Recht und wenn ein kranker Mensch dort zur Untersuchung muss, dann darf der doch locker 500 Meter den Berg hinauf vom alten Flughafen laufen, denn woanders bekommt der sein Auto gar nicht mehr abgestellt. - OK, früh genug, so gegen 07:30 Uhr vielleicht noch in zweiter Reihe oder auf dem eigentlichen Bürgersteig, dann kann man das Krankenhaus sogar noch in 5 Minuten erreichen, später geht das auch nicht mehr und die Busfahrer muss man mal befragen, wie die das sehen, denn die müssen sich jetzt zwischen falsch geparkten Wagen und dem ewigen Stau der Parkplatz suchenden Autos hindurchtasten. - Was war geschehen? - Der Parkplatz des Krankenhauses, nördlich des Gebäudes gelegen, der war nur geliehen, von der Gemeinde Breña Alta. - Abgemacht war, als das neue Krankenhaus eröffnet wurde, dass dieser Parkplatz so lange genutzt werden kann, bis die Klinik ihren eigenen Parkplatz hat. - Allerdings gibt es im Haushalt des Krankenhauses seitens der Gesundheitsbehörde überhaupt keinen Posten welcher die Schaffung eines Parkhauses vorsieht, der Parkplatz stehe also auf Warteposition und niemand kümmert sich darum. - Die Gemeinde nun hat ihrerseits die Nase voll und für das Gelände des Parkplatzes anderes im Sinn, als diesen weiter ohne erkennbaren Nutzen für sie, dem Krankenhaus zur Verfügung zu stellen.
So ist der Parkplatz nun seit dem 1. August geschlossen, Arbeiter des Cabildo Insular bereiten dort Infrastrukturen vor, welche für den \"Plan Parcial de Buenavista\" vorgesehen sind, und keiner kann einem so wirklich sagen, was denn da eigentlich gebaut wird und ob das denn nötig ist. - Weder das Cabildo Insular, noch die Gemeinde Breña Alta noch die Krankenhausleitung sind gewillt oder in der Lage dazu etwas zu sagen, obwohl alle drei Korporationen auch dafür verantwortlich sind, dass eine Infrastruktur der ersten Reihe, das Inselkrankenhaus, welches auch noch als Poliklinik dient für alle Fachärzte, für Patienten und Personal gut erreichbar ist. - Dazu gehören auch Parkplätze und ich möchte nicht wissen was los ist, wenn ein Rettungswagen einen Schwerverletzten anliefert, aber nicht durchkommt zum Krankenhaus, weil der Zufahrtsweg durch falsch geparkte Fahrzeuge oder einen Unfall beim Rangieren blockiert wird. - Das Krankenhausleitung sagt, das geht uns nichts an, die Gemeinde sagt, die Krankenhausleitung weiß seit 8 Jahren, dass sie einen Parkplatz braucht, und die Inselregierung ist verreist, oder viel zu sehr damit beschäftigt woanders hinzugucken. - Die Bauarbeiter selbst, das sind die einzigen die Auskunft geben und so wie es aussieht, ist Ende September wieder alles fertig, und die Autos können wieder dort parken, wo sie es immer getan haben. - Bis dahin, Chaos pur, und keiner kümmert sich darum, und manchmal bin ich schon sehr überrascht, dass diese Insel dennoch immer weiter funktioniert. - Und das sogar erstaunlich gut, trotz unserer globalen Abneigung gegen Planung und trotz unserer ständig präsenten und für alle Eventualitäten gewappneten Nichtzuständigkeitsminister. |
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Hungerstreik gegen Hausabrisse / Costas hat immer weniger Freunde |
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Mittwoch 01.09.2010 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe ,Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 30 % - Luftdruck 1015 hPa |
Costa Cordalis, der singende Schmalzkringel aus Griechenland, der hatte viele Freunde, zumindest noch in der Zeit vom Heck, vom Dieter Thomas. - Wir meinen aber nicht diesen Costa, sondern Costas, und auch nicht mit Nachnahmen Cordalis, sondern ausgeschrieben, Demarcación de Costas. - Das ist die Küstenbehörde, und die untersteht wiederum dem Umweltministerium. - Umweltministerium bedeutet übrigens nicht Umweltschutzministerium, das verwechseln manche, und sind dann immer wieder erstaunt, wenn wieder mal ein Umweltmysterium geschieht. - Costas steht hier auf den Inseln am meisten in der Kritik, weil es ein wunderbares Gesetz in Spanien gibt, welches Privatmenschen oder Firmen den Besitz auch nur eines Meters der Küstenlinie untersagt. - Die Küste ist für alle da, nur hoheitliche Behörden oder Organisationen können bestimmte Stellen an Spaniens Küsten belegen, allen anderen ist das untersagt, und bebaut darf diese Zone schon gar nicht werden, es sei denn, es handelt sich dabei um öffentliche Einrichtungen welche das Grüne Licht Costas erhalten haben. Nun taucht allerdings eine Frage auf, und die gar nicht so selten, was ist denn mit den Häusern und Siedlungen, welche bereits vor 1988 an der Küste gestanden haben, also noch bevor das Gesetz diese Einschränkungen aufstellte. - Bestandsschutz möchte man meinen, aber das sieht die Küstenbehörde anders, und will an der gesamten spanischen Küste alles was Fenster und Türen hat einreißen lassen, und hat auch schon kräftig damit begonnen. - Das gibt Ärger aller Orten, auch auf La Palma, wir erinnern uns an die Abrisse an der Playa Nueva, im Süden der Insel und dem drohenden Abriss der lebendigen Siedlung La Bombilla.- Für die meisten Haus- oder auch Hüttenbesitzer gibt es ein grundsätzliches Problem, dass sie auch vor dem Inkrafttreten des Gesetzes von 1988 bereits ihr Haus illegal errichtet hatten, weil keine Behörde ihnen die Erlaubnis ausgestellt hat, beziehungsweise ausstellen konnten. - In den meisten Fällen sieht es ähnlich mit dem Grund und Boden aus, auf dem die Häuser errichtet worden sind, der gehört meist niemandem, oder ist auf fragwürdigen Wegen in den Besitz der Anrainer gelangt, und dann in Privatverträgen veräußert worden. - Über die Gültigkeit solcher Papiere streitet man im großen Rahmen, und wer den pfiffigeren Anwalt hat, der kann sogar Recht bekommen, so wie das erst neulich mehreren Anwohner El Remos gelungen ist. - Eine letztendliche Rechtsprechung gibt es da noch nicht, viel zu unterschiedlich sind die legalen Besitzverhältnisse, von null Papieren bis hin zu einem Kaufvertrag, und in manchen Fällen sogar einen Eintrag im Katasteramt, obwohl das eigentlich gar nicht möglich wäre. - Aber bei uns ist alles möglich, außer Regen im August…
Die Küstenbehörde hat zunächst ziemlich erfolgreich mit Druck die ersten Abrisse durchgeführt, Mahnungsschreiben in denen hohe Strafen angedroht werden, wenn bis dann und dann das Haus nicht verschwunden ist, das hat so manchen schon Beine gemacht und einige Häuser sind wirklich durch die Hände der eigenen Besitzer gefallen, die sich beeindrucken ließen. - Allerdings nahm der Widerstand auch immer weiter zu. - Da sind eben auch immer wieder mal Meldungen von kleinen juristischen Erfolgen einiger Siedlungsbewohner, bis dann die Küstenbehörde in höherer Instanz wieder erfolgreich klagt, oder eben vielfach mit weiterem Druck die Eigentümer unter Stress stellt. - Eine letztendliche Lösung ist nicht in Sicht, die juristischen Auseinandersetzungen in dem Thema absolut unübersichtlich und für Laien unverständlich, und viele Fragen bleiben auf allen Seiten offen. - Warum hat man bislang nur Hütten abgerissen aber keine Paläste, warum werden manche Siedlungen gerettet in dem man sie urbanisiert, und warum kommt die Küstenbehörde erst jetzt mit dem Gesetz daher, welches doch schon seit 1988 Anwendung findet. - Wer sein Haus und seine Bleibe dort in einer der Siedlungen hat, für den sind das existenzielle Fragen, und so verwundert es nun auch nicht, dass die Nachbarn aus \"Cho Vito\", einer dem Abriss unterstellten Siedlung auf Tenerife, jetzt in den Hungerstreik begeben, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. - \"Cho Vito\" ist bereits zum Symbol für die Abrisse hier auf den Kanaren geworden, so richtig mit Fernsehbildern, live weinende Familien neben den Raupenschleppern und wütende Männer, welche mit Besen und Latten auf die Baumaschinen eindroschen. - Genutzt hat das bislang wenig, aber immerhin wird die Presse diesen Hungerstreik blumig und aufmerksam beobachten, und das ist ja dann schon die halbe Miete. - Ob das langfristig zu einer tragbaren Lösung für alle führt, das möchte ich dennoch bezweifeln, die lange Hand des Gesetzes wird sich wohl dauerhaft durchsetzen. - Aber wir wissen ja, die Justiz hält manchmal auch wirkliche Überraschungseier bereit und wir werden sicherlich noch sehr oft über dieses Thema berichten können. - Hungerstreik hier auf La Palma, das kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen, wir essen doch alle für unser Leben gern… |
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Sicherheitsgürtel um Fuencaliente / Wasserleitungen gegen Waldbrände |
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Mittwoch 01.09.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe ,Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1017 hPa |
Vielleicht ein bisschen spät möchte man meinen. - Aber was soll man den noch alles von einer Gemeinde verlangen, die stehend KO ist, weil solch kleine Korporationen einfach nicht effektiv arbeiten können. - Das Personal kann man gerade noch bezahlen, die Telefonkosten im Rathaus, und dann wird es bereits eng, und wenn wirklich noch weitere Maßnahmen durchzuführen sind, dann muss der Bürgermeister bei anderen Instanzen anklopfen um dort Gelder locker zu machen. - Das ist auch der Hintergrund, warum man jetzt erst das erste Teilstück einer Wasserleitung in Betrieb nimmt, welche als Sicherheitsgürtel um den Ort liegt, um zukünftige Waldbrände von besiedelten Gebieten fern zu halten. - Immerhin liegen jetzt bereits ein Kilometer Wasserleitungen oberhalb von Los Canarios im Wald, und weiter will man noch 5 Kilometer Rohre verlegen, bis diese Leitungen in den beiden Siedlungen La Fajana und El Charco ankommen. - Die Wasserrohre werden oberhalb der Südstraße gelegt, genau dort, wo eben letztes Jahr das Feuer sich so schnell und unbekämpfbar ausgebreitet hatte. Geld dafür gibt es von der Zentralregierung in Madrid, aber auch vom Gobierno de Canarias, es sind wohl 300.000 Euro zur Verfügung, da kann man schon ein paar Kilometer verzinktes Rohr verlegen. - Wasserleitungen im Wald und den Bergen, das ist immer schon der Traum der Feuerwehr, dann könnte man im Falle eines Brandes eben auch in für Fahrzeuge unzugänglichen Gebieten sofort über große Mengen Wasser verfügen. - Im Norden der Insel hat man vor ein paar Jahren bereits begonnen damit, Druckwasserleitungen in den Bergen zu verlegen. - Alle 50 Meter eine Zapfstation, und dann muss man hoffen, dass man auch das Personal in dem Moment zur Verfügung hat, welche an diesen Rohren ihren Dienst verrichten. - Die Idee ist hervorragend und schließlich sogar noch billiger auf die Dauer als Brandschneisen, welche brutal von Raupenschleppern in die Landschaft gepflügt werden, um eventuelle Feuer davon abzuhalten, ungebremst weitere Flächen zu vernichten. - Die Brandschneisen müssen nämlich alle Jahre wieder von nachwachsendem Grünzeug befreit werden, sonst verlieren diese Sperren ihren Nutzen. - Das Netz der Wasserleitungen nun soll als Bandschneisen dienen, hört sich gut und vernünftig an, allerdings hat dieses System bislang noch keine Feuertaufe gehabt. - Im wahrsten Sinne des Wortes.
Passend zum Thema sind die Temperaturen nun fast wieder auf einem sommerlichen Normal angekommen. - Keine abrupte Abkühlung, es ist einfach nur stündlich ein bisschen frischer geworden und im Laufe des Tages soll auch die Luftfeuchte mal wieder messbar werden. - Ein kompletter Wandel der Großwetterlage bringt uns diese Abkühlung, das störende Tief auf der sonstigen Position des Azorenhochs ist nach Westen verschwunden und hat wieder Platz gemacht für weit reichenden Hochdruck auf dem Nordatlantik. - Noch kein wirkliches Hoch mit Pauken, Trompeten und scharf abgezeichnetem Passat, aber man arbeitet daran. - Von Herbst oder gar Winter noch keine Spur, es sind noch durchaus sommerliche Spiele, welche sich da hinter unserem Horizont am Wetterhimmel abspielen und bereits kommende Woche kann es noch mal warm bis heiß werden. |
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Das kleine Neptungras - / - und der große Vorwurf |
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Dienstag 31.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe, Temperatur 32 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1017 hPa |
Wir verlassen dazu mal die Insel und stellen uns irgendwo zwischen Granadilla auf Tenerife und Madrid auf. - Der \"Puerto de Granadilla\" sagt Ihnen ja vielleicht was, wenn nicht, auch nicht schlimm. - Dort soll ein Industriehafen entstehen, um Santa Cruz de Tenerife zu entlasten, allerdings haben viele Menschen etwas dagegen, dass dort ein neuer Hafen entsteht. - Die Menschen dort vor Ort erwarten sich aber auch viele Arbeitsplätze, zumindest beim Ausbau des Hafens, und hoffen eben später auch auf mehr wirtschaftliche Bewegung in ihrer Region. - Dagegen haben die meisten Umweltschützer etwas, und eben auch die Leute in den Häfen von Santa Cruz und Los Cristianos, die um ihre Arbeitsplätze fürchten, wenn in der Nähe plötzlich ein neuer und großer Hafen entstehen soll. - Die Umweltschützer sind natürlich generell gegen Landverbrauch, in diesem Falle \"Küstenverbrauch\" zur Schaffung neuer Infrastrukturen, wenn diese eben woanders bereits vorhanden sind. - Und viele Bürger, auch EU-Bürger regen sich einfach auf, dass da ihr Geld in den Atlantik geschüttet wird, obwohl man die Notwendigkeit dieses neuen Hafens mehr als anzweifeln kann. - Die Polemik ist also gesät und das geht auch schon über Jahre, aber irgendwie setzt sich das Gobierno de Canarias immer wieder durch und nun hat der Bau des Hafens auch bereits begonnen. - Aus Europa stoppte man dann den Bau erneut, denn das kleine Neptungras (Cymodocea nodosa) taucht nun in der Diskussion auf, und da das kleine Neptungras eine geschützte Spezies ist und dort wo der Hafen von Granadilla hin soll weite Seegraswiese existieren, darf dort natürlich kein Hafen hin. - So droht das kleine Neptungras eine millionenschwere Investition zu Fall zu bringen, und damit auch den Bezug so lecker geschenkter Dinge wie Millionen aus Brüssel. - Also, wie kommt man nun dazu, den Hafen dennoch zu bauen, denn unser Gobierno de Canarias hat ja ihrer Klientel, bestehend aus Gewerbetreibenden der Inseln und einflussreichen Magnaten versprochen, dass hier gebaut und verkauft werden kann wie wild.
Wenn das kleine Neptungras schon nicht weg kann, aber dann doch bitte der Status des Seegrases im Artenschutzkatalog, so müssen sich das ein paar \"Amigos\" in einschlägigen Bodegas ausgedacht haben, und wer regiert, der schafft an.- So hat man flugs einen neuen kanarischen Artenschutzkatalog aufgelegt, weniger unter strikter Beobachtung wissender Biologen, sondern eher unter freundlicher Abnickstellung einiger Techniker aus den eignen Reihen. - Das Ergebnis, nicht nur das kleinen Neptungras ist zukünftig kein Schutzbefohlener auf den Kanaren mehr, sondern mit ihm gleich noch weitere 50 Spezies, die bislang wohl schützenswert waren, nun aber wohl irgendeinem Bauvorhaben im Wege standen. - Großes Gebrüll und Aufschreien überall, und auch die Sozialisten haben angekündigt, gegen diesen neuen Artenschutzkatalog vorzugehen. - Das war vor ein paar Wochen, und nun hört man Interessantes aus Madrid. - Die bestärken nun die kanarische Regierung, und nehmen ihrerseits das kleine Neptungras aus dem Katalog der geschützten Arten, dem Weiterbau des Hafens von Grandilla steht also nichts mehr im Wege. - Ich kann mir nicht auferlegen zu wissen, ob denn nun dieses Seegras wirklich schutzbedürftig ist, oder sich vielleicht die Bestände so weit erholt haben dass man darauf verzichten kann, dieses Unterwassergewächs weiter zu schützen, diese Diskussion bleibt Meeresbiologen vorbehalten. - Allerdings kommen die meist in dieser Diskussion überhaupt nicht zu Wort, sondern nur die Politik und die wirtschaftlichen Interessen. - Der fast schön bösartige Verdacht lautet nun, in Madrid hätte man als Zugeständnis an die Coalicón Canaria, weil die ja so brav bei den Abstimmungen um Sparkurs, Arbeitsmarktreform und Haushalt mit den Sozialisten gestimmt haben, gewisse andere Vorhaben einfach abgewinkt, so zum Beispiel die Entkatalogisierung der Seegraswiesen, damit der Hafenbau von Granadilla nicht gefährdet wird. - Ein schwerer, und auch sehr unschöner Vorwurf, der aber bislang natürlich nur im Stadium einer Vermutung stecken bleiben kann, denn was nahe liegt muss noch lange nicht richtig sein, aber nach frischem Seegras riecht das alles nicht, sondern schon ziemlich faulig. - Die Sozialisten sind da nun schwer in Erklärungsnot geraten, und müssen profunde Argumente liefern, um den Verdacht des Handeltreibens mit geschützten Arten wieder loszuwerden. - Auffällig ist die Unterstützung der Sozialisten in Madrid seitens der Coalición Canaria schon lange, aber man konnte auch bislang meinen, das machen die, weil die nächstes Jahr regional mit den Sozialisten koalieren wollen. - Möglich ist es, aber es ist auch möglich, dass eine Hand von der Anderen gewaschen wird. - Und wenn Sie nun wieder meinen, typisch Spanien, dann sage ich nur Stuttgart 21, oder FDP und gesenkte Mehrwertsteuersätze für Hoteliers, und dann sind wir locker wieder quitt… |
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Bitte warten, bitte warten… / Neue Straßensperrungen im Norden der Insel |
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Dienstag 31.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe, Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1016 hPa |
Gebuddelt wird auf La Palma immer, mal hier, mal da. - Im Focus dabei ist auch immer der große Inselring, die Straße eben, auf der es uns gelingt, diese Insel komplett zu umrunden. Dabei fällt auf, dass nur kleine Strecken dieser Straße wirklich stark frequentiert sind, so ist zum Beispiel die Inselumrundung über den Norden eigentlich eine komplett touristische Angelegenheit, oder aber die paar Anwohner die noch \"hinter\" Barlovento wohnen, begeben sich woanders hin. - Das liegt auf der einen Seite an der Tatsache, dass der Norden der Insel immer mehr Bewohner verliert, aber eben auch an den vielen Kurven und Engstellen welche diese Straße aufweist, so dass als Hauptverbindungsweg von Ost nach West und umgekehrt die Straße durch die Cumbre-Tunnels weiterhin konkurrenzlos ist. - Weil wir so viel Geld übrig haben, wird aber an der Nordstraße nun seit gut einem Jahr wieder heftig gebaut. - Von Santa Cruz bis nach Los Sauces ist ja die Strecke bereits vor Jahren breit ausgebaut worden, Barrancos wurden \"weggetunnelt\" oder per Brücke beschnitten, so wie das die gewaltige Einbogenbrücke kurz vor Los Sauces eindrucksvoll beweist. - Nun geht es weiter mit dem Ausbau, von Los Sauces über Barlovento bis \"Cruz de Castillo\" ist der nun in Angriff genommene Teil der Nordumfahrung, und wenn man der Presse und den dahinter Auskunft gebenden Stellen glauben darf, dann geht der Ausbau dieses Streckenabschnittes zügig und planmäßig voran. - Allerdings sind solche Baustellen halt immer auch ein Verkehrshindernis für die Anwohner, denn ohne sich auf der Straße zu bewegen kann man eine solche Arbeit auch nicht ausführen, das leuchtet wohl jedem ein. - So hat man immer die Wahl, entweder geht der Bau schnell voran und man sperrt die Straße, oder aber man geht den pragmatischen Weg die Arbeiten neben dem laufenden Verkehr durchzuziehen, was aber dann eben auch bedeutet, dass man nur langsam vorankommt und nicht alle Technik oder viele Arbeiter gleichzeitig einsetzen kann.
Ein Komplettsperrung kommt aber nicht in Frage, da diese Straße für viele Siedlungen die einzige Möglichkeit ist, zu diesen zu gelangen, eine Umleitungsmöglichkeit gibt es da einfach nicht. - So geht man den Weg der temporären Sperrungen, stundenweise wird die Straße gesperrt und dann wieder für den Verkehr geöffnet. - Solch ein Kompromiss muss dann aber gut überdacht werden, die Anwohner dort müssen ihren Tagesablauf auf den Sperrungen ausrichten, so dass der Weg zur Arbeit oder zur Schule schon mal kräftig neu geplant werden muss. - Die Bewohner Barloventos haben das über Monate bereits erfahren müssen und nun drohen für einen weiteren Monat diese Teilsperrungen, weil man an Arbeitsabschnitten angelangt ist, die eben nur ohne laufenden Verkehr machbar sind. Den gesamten September über, von morgen an, ist ab Kilometer 25 bei der \"Cueva de la Virgen de Candelaria\" die Weiterfahrt nur noch temporär möglich und man sollte das beachten, wenn man nicht Stunden auf der Straße warten will. - Von Montag bis Freitag ist die Straße zu von 09:45 - 11:15 Uhr von 11:45 - 13:15 Uhr und am Nachmittag von 16:00 - 19:00 Uhr. - Samstags gibt es nur die beiden Vormittagssperrungen, Sonntag, Feiertags und nachts ist die Straße offen. - Krankentransporte sind immer zugelassen und die Feuerwehr darf auch durch, sollte irgendwo gezündelt worden sein. - Die Zeiten der Sperrung sind schon sehr auf die Anforderungen der Einwohner ausgerichtet worden um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. - Die Sperrungen gelten vorerst bis Ende September. - Weiterhin ist auch die Straße von Tajuya nach Fuencaliente stundenweise gesperrt, und es sieht so aus, als baue man dort gleich die neue Trasse und repariere nicht nur die von den Erdrutschen betroffenen Teile. |
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Amerika neu erfinden, / hier! |
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Montag 30.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe, Temperatur 35 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1018 hPa |
Jetzt hat es den Siebold erwischt. - Zu viel Hitze, oder sein Lieblingskater ist schwanger geworden oder sonst was ist passiert, der will Amerika neu erfinden. - Es ist wirklich heiß, aber schon nicht mehr so heftig wie gestern, Paul ist nicht schwanger, und für viele, besonders für FDP-Wähler oder Golfspieler war ich ja immer schon suspekt, und das mit dem Amerika erkläre ich Ihnen jetzt gleich. - Tomás Ramos, ein befreundeter \"Denker\" und Unterschichtenphilosoph schreibt öfter mal aus Zeit,- und Schlechte-Laune-Vertreib in der Zeitschrift \"La Voz de La Palma\", dem einzigen Blatt hier auf der Insel, welchem man zarte Versuche eines engagiertem Journalismus zuschreiben darf, witzigerweise immer von Laienreportern dargestellt. - Tomás Ramos erinnert mich immer an Heiner Geißler, obwohl bei Tomás keine Wandlung vom Saulus zum Paulus notwenig war, aber er spricht ähnlich und beide sind eben streitbare Globalisierungsgegner. - Sorry für den Vergleich Tomás, aber ich mag den Heiner… Der Satz \"Amerika neu erfinden, hier\" der stammt nämlich von Tomás, wenn auch leicht abgeändert. Aber korrekt übersetzt würde der lauten: \"wir müssen die Amerikas hier machen - hacer las Américas aquí\" und das versteht niemand, welcher den spezifischen Umgang und auch Gebrauch, welchen man hier mit dem Wort Amerika verbindet. - Auch müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, irgendjemand hier würde die USA meinen, wenn er von Amerika spricht, hier ist immer Südamerika gemeint, Teile Mittelamerikas, und die Antillen. - \"Hacer las Americas aqui\" ruft Tomás Ramos aus, nachdem er die alten Geschichten erzählt hat von dem Fleiß und dem Können der Palmeros, und deren bereits legendären Ruf dort in Amerika. \"Schenk einem Palmero eine Wüste, und er wird einen blühenden Garten daraus machen, schick ihn in den Urwald und er wird einen Bauernhof daraus machen\" - So etwas erzählt man sich dort in \"Amerika\" und das kommt nicht von ungefähr, haben die vielen Emigranten doch seinerzeit in Kuba und Venezuela aus Wüsten Gärten gemacht und aus Urwäldern große Farmen. - Das muss jetzt wieder hier geschehen, und nun verstehen Sie auch den Zusammenhang und warum wir Amerika neu erfinden müssen, und das eben hier.
Hintergrund dieser Ausführungen Tomás sind die ewige Fragen nach unserem zukünftigen Auskommen auf der Insel, nachdem uns die Monokultur Banane in eine Sackgasse geführt hat, und der konservative Tourismus (Pakete und All-inklusive) kaum Wertschöpfung in den lokalen Wirtschaftskreislauf schicken, da die Gelder woanders verdient werden und die Margen in der ausgelutschten Branche zu gering sind. - Außerdem stehen wir da in einem immer noch wachsenden Preiskampf mit anderen Regionen, so wird zum Beispiel in Marokko, zum Teil auch mit kanarischem Kapital, gerade eine Tourismus Infrastruktur aus der Wüste gestampft, die natürlich gegen den kanarischen Markt gerichtet ist und mit Preisen aufwarten kann, die uns in den Ruin treiben werden. - Tomás kann auch keinen dritten Weg oder Revolution aus dem Hut zaubern, die uns nun breites Volkseinkommen versprechen, aber er fordert eben eine Rückbesinnung der Leute hier auf das, was sie gut können. - Und da steht vor allem die Landwirtschaft im Focus, aber eben mit klar veränderten Vorzeichen, welche der Entwicklung der letzten 15 Jahre allerdings entgegenstehen. - Qualität statt Quantität fordert Tomás, und das ist schon fast revolutionär, nachdem uns meine und seine \"Lieblingspartei\" ja bei den Bananen aufgefordert hat, eher Masse als Klasse zu produzieren, nachdem man die Ausgleichszahlungen nun nach Kilo abrechnet und nicht mehr nach angebauter Fläche. - Und weiter, nicht nur die landwirtschaftliche Produktion muss sich wieder an Qualität ausrichten, sondern wir müssen auch endlich das Marketing erlernen und die Abwicklung unserer Geschäfte endlich in unsere eigenen Hände nehmen. - Kommt Ihnen vielleicht alles schon ein bisschen bekannt vor, kommt vielleicht daher, dass ich ähnlich denke, ich wollte Ihnen damit einfach mal nur zeigen, dass es hier wohl auch Menschen gibt, die längst auf einem anderen Weg angekommen sind. - In kleinen Kreisen merkt man aufkeimenden Mut ja auch schon andere Wege zu gehen, und wenn man endlich so mutig und bedeutend sein könnte, als Palmero diese Insel nicht mehr verlassen zu müssen um erfolgreich zu sein, dann steckt doch jede Menge Zukunft in dieser Insel. - Allerdings ist Tomás Ramos da sehr pessimistisch was unsere politische Führung angeht, er traut es keinem von den vorhandenen Politkern zu, inklusive der Opposition, zu diesem Gelingen auch nur das Geringste beitragen zu können. - Also doch neu erfinden unser Amerika, dann wird es aber Zeit, dass wir anfangen. - Den Originalartikel von Tomás gibt es HIER zu lesen: http://www.lavozdelapalma.com/2010/08/23/%C2%BFde-que-vamos-a-vivir-y-ii/ |
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Morgen soll es besser werden / Die Hitze bestimmt weiter unseren Tagesablauf |
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Montag 30.08.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe, Temperatur 32 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1018 hPa |
Einmal Bettwäsche auswringen, das ist morgens unsere erste Tätigkeit. - Die dritte Nacht mit Temperaturen über 30 Grad zeigt Wirkung, der morgendliche Kaffee wird zwar noch angetrunken, aber bald schon gegen ein kaltes Glas Orangensaft ausgetauscht. - Die Mär, alte Häuser würden die Hitze besser abhalten als Neubauten, die gilt, aber eben nur einen Tag lang, und kommt dann noch Wind dazu, dann ist es hinter den dicken Mauern bald genau so warm wie hinter Hohlblocksteinen. - In den sonst eben kurzen Hitzeperioden sind da die alten Häuser schon im Vorteil, aber dauert so etwas eine Woche lang, dann findet die Hitze in jeden Winkel des Hauses, ohne Ausnahme. - Die Katzen leiden besonders und haben den Schlafanteil am Tag von 14 auf 22 Stunden ausgedehnt, die restlichen Momente werden für kurze und mürrische Nahrungsaufnahme verwendet und deutliches zur Schau stellen groben Missfallens. - Allerdings gibt die Hitze auch wieder sicheres Geleit für Eidechsen, Geckos und Mäuse, die können nun ohne Eile über die Terrasse spazieren, mehr als einen zornigen Blick der Katzen ernten sie nicht, gejagt wird erst wieder, wenn es frischer wird. - In Mazo ist nichts passiert, man hat das Fest durchgezogen und gibt so wiederum den Verharmlosern Recht, welche da immer wieder stehen und behaupten, es passiert schon nichts, wir haben das alles im Griff. - Glück gehabt, nichts weiter, aber wir wissen doch aus eigener Erfahrung, dass auch Glück eine Halbwertzeit hat.
Was macht man jetzt eigentlich mit den 30 VIP-Gästen die gerade auf der Insel weilen. - Sie wissen schon, die ausgesuchten Profis der deutschen Tourismusbranche, die wollte man doch auf die Berge zum Wandern schleppen. - Das ist sicher nichts geworden, aber die Bootsfahrt konnte man durchführen, wohl auch den schwitzenden Besuch auf dem Roque de Los Muchachos, aber ob die dann tatsächlich bei 40 Grad mit Buggys durch die staubige Landschaft geprescht sind, und das wohlmöglich sogar noch gut finden konnten, das weiß ich nicht und kann mir das auch gar nicht vorstellen. - Schade eigentlich, dass nun diese Hochkaräter der deutschen Tourismusbranche die Insel gerade in einem solchen Ausnahmemoment zu sehen und zu spüren bekommen, Momente in denen die beliebtesten Ausflugspunkte Kneipen mit Klimaanlagen sind. - Immerhin ist meine \"Sommergrippe\" vorbei, der Husten hat sich abgemeldet, und die täglich mehrfache Schlacht um die Einnahme des teuflischen Zwiebel-Honig-Saftes ist auch vorüber. - Zwei Feuer gab es gestern noch auf Tenerife, aber alles sofort im Griff, ebenso wie der Brand auf La Gomera. Spät abends konnte man die beiden hier stationierten Helikopter schon wieder auf seinem Heimflug beobachten, im letzten Büchsenlicht schlich der sich die Küste entlang nach Puntagorda. - Diesen Tag noch, und wohl ein Stückchen morgen noch, dann atmen wir wieder auf und erfreuen uns erneut an der frischen Brise des Passats. |
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Ein Jahr nach dem großen Feuer, / aber in Mazo will man nicht weise werden |
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Sonntag 29.08.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe , Temperatur 38 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1019 hPa |
Zugegeben, letztes Jahr am letzten Julitag war die Wettersituation noch ein bisschen dramatischer, wir wollen das nicht unterschlagen, aber jetzt ist es fast genau so schlimm. - Temperatur bei fast 40 Grad, Luftfeuchte unter der Nachweisgrenze, und unberechenbare Windböen mit Ausrutschern bis 60 Stundenkilometern. - Das ist die Suppe aus der Feuer gemacht wird, und letztes Jahr brach ja auch in Mazo der Brand aus, der schließlich zu einer der größten Feuerkatastrophen geführt hat, welche diese Insel jemals erlebt hat. - Damals sollen unsachgemäß abgeschossene Feuerwerkskörper das Feuer verursacht haben, und nun dürfen Sie mal raten, was man in der Gemeinde von Mazo heute Abend vorhat? - Stimmt, die machen Feuerwerk! - Jetzt nicht so mit Raketen und Böller, sondern so ähnlich wie bei dem Teufelstanz in Tijarafe. - Die in Mazo haben nämlich ein ähnliches Fest, nicht ganz so berühmt, aber das gleiche Schema, eine Figur, bestückt mir jeder Menge Feuerwerkskörper springt wild tanzend durch eine breite Menschenmenge, wobei das \"breit\" durchaus doppeldeutig auch den Sinn trifft. - Passend heißt die Figur, \"el Borrachito Fogatero\", was so viel bedeutet, wie der betrunkene Feuermacher. - Historisch handelt es sich bei der Figur nicht um eine simple Kopie des Teufels der Fiesta in Tijarafe, sondern es ist schon eine ganz eigene Geschichte aus Mazo, allerdings hat man sich über die Jahre hin schon die geballte Feuerkraft des Teufels aus Tijarafe angesehen, und man meint fast, beide Figuren würden nun um Üppigkeit und Gefährlichkeit geradezu konkurrieren. - Dabei ist diese fremde Benutzung von Feuerwerkskörpern eigentlich verboten, aber in diesem Verbot gibt es eben auch einen Passus, welcher lokale Traditionen, welche eben mit dem Feuer spielen, unter sachgemäßer Aufsicht doch durchgeführt werden können.
Tradition hin, oder her, sicherlich gilt es Traditionen zu bewahren, aber wenn die Ausübung einer Tradition Gefahr für die Allgemeinheit oder auch nur den nahen Kreis der Beteiligten mit sich bringt, da spätestens müsste eine Autorität mutig einschreiten, und diesen Blödsinnn zumindest momentan einfach verbieten.- Gut, die Plaza auf der der Betrunkene seinen Feuertanz aufführt, die ist nicht mitten im Wald, sondern befestigt und es sind viele Menschen da, welche Flammen sofort löschen könnten. - Aber dennoch ist das ein blitzgefährliche Geschichte, da geht auch nur ein Böller daneben, oder die Jungs in ihrem besoffenen Delirium meinen, nun selbst noch Feuerwerk machen zu müssen, und dann eben halt da, wo ihnen keiner auf die Finger haut, und schon ist es passiert. - Feuerwehrleute sind natürlich auf dem Fest anwesend, aber bei solchen Massen an Menschen, die eben auch noch wild feiern, da ist nicht viel zu erreichen mit Mahnung zur Vorsicht. - Vielleicht zieht ja noch ein Verantwortlicher da in Mazo rechtzeitig die Reißleine und man nimmt die Feuerwerkskörper aus dem Festprogramm heraus, vor Mitternacht tritt der Betrunkene seinen Tanz ja auch gar nicht an. - Ansonsten brauchen wir wieder mal mehr Glück als Verstand, wenn das alles gut gehen soll. - Auf La Gomera hat man gestern Abend weniger Glück gehabt. - In der Gemeinde Vallehermoso wurde gegen 22:00 Uhr ein Feuer gemeldet, welches sich zunächst schnell ausbreiten konnte. - Einige Anwohner der Siedlungen Tazo und Cubaba wurden evakuiert, konnten aber inzwischen in ihre Häuser zurückkehren. - Heute tagsüber konnte man aus der Luft, mit Unterstützung aus Tenerife und La Palma das Feuer aber wohl so weit unter Kontrolle bringen, dass keine nervösen Pressemeldungen mehr von unserer Nachbarinsel kommen, sondern eher beruhigende Nachrichten. - Man spricht davon, dass man das Feuer einkesseln konnte und ist guter Zuversicht, morgen dann das \"gelöscht\" vermelden zu können.- Und dann unsere Hubschrauber bitte schnell wieder zurück nach La Palma… |
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Was die Krise übrig lässt / Hauptstadtstrand ist nicht gefährdet |
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Sonntag 29.08.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe , Temperatur 31 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1017 hPa |
Das \"nicht gefährdet\" bezieht sich übrigens auf die Finanzierung, nicht auf die launischen Attacken des Atlantiks. - Viele große Pläne hat man die letzten Jahre für die Insel erdacht, geschehen ist herzlich wenig, manchmal dankenswert wenig, da wir zwischen respektvoller Verbesserung unseres Umfeldes und brutaler Veränderung noch nicht wirklich unterscheiden können. - Auch das hat Ursachen, und die stecken in dem aufgezwungenen Wirtschaftswachstum der neunziger Jahre, welches zwar auf Pump, Beton und Schwarzgeld erbaut wurde, aber dennoch bei vielen Menschen, und mehr noch bei den öffentlichen Korporationen, einen fragwürdigen Wachstumsdruck ausgelöst haben, der leider ohne Seil oder Netz verbaut wurde. - Die Krise rückt uns jetzt wieder zurecht, und auch wenn kleinere Brötchen nicht wünschenswert sind, sie sind immer noch größer als die vor 25 Jahren, und auch das sollte man vielleicht in seine \"Krisenbewältigung\" mit einkalkulieren. - Die öffentlichen Sparmaßnahmen wollen konkret noch gar nicht so benannt werden, regional steht man ein paar Monate vor den nächsten Wahlen, und am liebsten würde man sämtliche Diskussionen um Ressortkürzungen absolut vermeiden, denn man hat einfach nichts zu verteilen. - So liegen viele Projekte des \"Gobierno de Megalomanía\" schlichtweg auf Eis, oder auf Zinsen, und die Konkursverwalter der Nachwohlstandsgeneration verschieben eher Finanzierungslücken als noch vorhandene Mittel. - Ganz abgebrühte Kreise sind ja gar klammheimliche Fans der Krise, hofft man doch einfach, dass viele Wahnsinnsprojekte, wie zum Beispiel die Weltbiosphärenreservatsautobahn auf La Palma, nun einfach nicht mehr finanzierbar sind. - Das könnte sogar klappen, auch wenn es dafür keine Garantien gibt, die Weiterführung des Ausbaus der Nordumfahrung, sowie das Pendant im Süden, bringen bereits jetzt die Haushalte für Infrastruktur des Regionalparlaments reichlich in Bedrängnis. - Eine Garantie gegen den Bau der Autobahn ist das allerdings noch nicht, aber im Moment spricht mehr gegen dieses Vorhaben, weil die Mittel einfach erschöpft sind, als für diese unnütze Geldausgabe.
Gerettet hingegen ist die Finanzierung des Stadtstrandes von Santa Cruz de La Palma, das konnte man gestern aus dem Mund des palmerischen Oppositionsführers vernehmen, Manuel Marcos, Chef der Sozialisten La Palmas. - Wie kommt nun der Sozi zu dieser Information, das erklärt sich ganz einfach, die Finanzierung des Strandes übernimmt Madrid, und Manuel Marcos weiß das vom Generalsekretär des Ministeriums für Umwelt, das auch für Küsten- wie Meeresangelegenheiten zuständig ist. - Ob es denen in Madrid einfach gefallen ist, diese knappen 29 Millionen Euro jetzt zu bestätigen, das werden wir in den kommenden Tagen noch zwischen den Zeilen lesen werden, auf jeden Fall haben es die Sozis sich nicht nehmen lassen, das neue Kleid der Hauptstadt als ihr Werk auftreten zu lassen. - 20 Firmen sollen bereits ihr Interesse an der Bauausführung bekundet haben, die Ausschreibung läuft jetzt an, und Ende des Jahres will man den Auftrag auch bereits vergeben, so dass noch im Frühjahr 2011 mit dem Bau begonnen werden soll. - In der Hauptstadt freut man sich grundsätzlich über diese Pläne, einen gewaltigen Strand, geschützt von zwei großen Deichen, direkt vor die Haustür gesetzt zu bekommen, das wird ein Hauch von \"Las Canteras\" und nicht nur die Stadt, sondern die ganze Insel kann von diesem neuen Angebot profitieren. - Allerdings wird so langsam auch vielen klar, dass es während der Bauphase, aber eben auch danach, zu deftigen Einschnitten im bekannten Alltagsleben kommen kann, denn viele gewohnte Wege sind dann neu zu belegen. - Der große Parkplatz am Meer kommt weg, das alleine ist schon ein gewaltiger Einschnitt, und noch hat man keine Vorstellung, wie man das kompensieren soll. - Ein weiteres Parkhaus am südlichen Ende der Stadt ist vorgesehen, aber noch kein konkreter Plan vorhanden, geschweige denn eine Finanzierung oder ein Investor, welcher solch ein gewagtes Projekt übernehmen will. - Aber das ist auch der Preis den man als Hauptstädter irgendwie zu tragen hat, wer einen großen Hafen will, einen Strand und jede Menge Geschäfte, der darf sich über ein bisschen Krach und Enge auch nicht aufregen. |
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Es ist zum Weinen, / mit dem Wein |
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Samstag 28.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe, Temperatur 34 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1017 hPa |
Landwirtschaft als Broterwerb ist ein heikles Geschäft, wenn es denn überhaupt ein Geschäft ist. - Die Weinernte ist nun auf der Ostseite bei Mazo in vollem Gange, aber was man sieht, das sind leere Körbe. - Man wusste ja bereits, dass die Ernte nicht gut werden würde dieses Jahr, aber was die Winzer dort aus der Zone nun zu melden haben, das hört sich drastisch an..- Gut, man wird uns wohl auch immer nur den \"worst case\" berichten, weil Normalitäten keinen interessieren, aber man spricht dort von Verlusten welche an 90% gehen. - Manche Weinbauern dort sprechen von der schlechtesten Ernte welche sie jemals hatten, und rund um Mazo ist die schlechte Laune nun perfekt. - In den anderen Zonen steht die Lese der Reben noch bevor, aber auch in Fuencaliente und El Paso argwöhnt man deutlichere Verluste als die 30%, welche man noch vor ein paar Wochen geschätzt hatte. - Wie das dann endgültig in den anderen Zonen aussieht, das wird man endgültig erst nach der Erne wissen, aber der Norden der Insel, welcher die seit ein paar Jahren immer beliebter werdenden trockenen Weißweine liefert, der scheint weniger schlimm von den Ausfällen betroffen zu sein. - Allerdings sind das ja auch die letzten Regionen in denen gelesen wird, das zieht sich noch bis Oktober und in einzelnen Fällen gar in den November hinein. - Der Winter war zu warm und der fehlende Kälteschock hat die Blüte schon beeinträchtigt, die verlief zögerlich so dass es auch Probleme bei der Befruchtung der Blüten gab. - Dann war das Frühjahr kühl und feucht, mit weniger Sonne als sonst, was dem Mehltau sehr gut passte, nicht aber den Reben. - Und schließlich die anderthalb Tage heißer Wind Anfang diesen Monats, welcher das Blattwerk und auch die bereits ausgebildeten Trauben heftig verbrannt hat.
Für Mazo katastrophal, hatten die eh schon Schwierigkeiten mit ihrer Marke \"Hoyo de Mazo\", und wenn noch jemand Geld am diesjährigen Wein verdienen will, dann müssten die Preise derart steigen, dass man sicherlich nur extrem treue Kunden am eigenen Schoppen halten könnte. - Gut für die meisten professionellen Winzer, dass man seit Jahren bereits eine Ernteausfallversicherung abgeschlossen hat, die nun natürlich zahlen muss. - Für diese \"Agroseguros\" machen sich die Landwirtschaftsberater seit langer Zeit bereits stark, und bei den Bananen zum Beispiel ist diese sogar Pflicht, denn alle Kooperativen welche Bananen ankaufen haben sich abgesprochen, nur Früchte von Landwirten anzunehmen, welche solch eine Versicherung aufweisen können. - So weit ist man bei den Winzern noch nicht, weil eben die meisten auch nur im Nebenerwerb diese Tätigkeit betreiben, und es eher als ein familiäres Zubrot betrachten. - Wie weise! - Gehen wir mal davon aus, dass die anderen Regionen der Insel nicht derart heftig getroffen wurden, aber mit deutlich geringerer Menge wird auf jeden Fall zu rechnen sein, was sich sicherlich auch dann auf den Preis des Endproduktes auswirken wird. - Das wiederum sorgt erneut für höheren Konsum an importiertem Wein und diese Maßnahme zwingt die hiesigen Bodegas dann wieder dazu, den Preisanstieg mit Bedacht zu wählen. - Vor Jahren hatten wir mit furchtbaren Überkapazitäten zu kämpfen, das ist nun in den letzten Jahren besser geworden, denn so erfreulich wie eine Rekordernte erst mal klingen mag, wenn nachher keine Bodega die Trauben mehr abnehmen will, oder nur noch Centbeträge für das Kilo bezahlt, dann weiß man manchmal nicht, ob man sich lieber eine Rekordernte als eine gediegene Missernte wünschen soll. - Die unschöne Begegnung der Landwirtschaft mit der Marktwirtschaft, und der Dumme ist immer der Bauer. |
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Durchhalten bis 1. September / Der Wind bringt keine Freude |
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Samstag 28.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe , Temperatur 30 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1016 hPa |
Früher als angekündigt ist der Nordost zurückgekommen, aber leider nicht als feuchter und kühlender Passat, sondern als Abgesandter Afrikas. - Hatten wir doch gehofft, wegen der relativen Windstille in den unteren Luftschichten die Hitze nicht so heftig spüren zu müssen, was ja die ersten Tage auch geklappt hat, so nimmt uns der Wind nun dieses Privileg und beschert uns auch unten des Nachts Temperaturen von über 30 Grad. - Nach oben werden wir die 40 Grad hier wohl nicht schaffen, aber nach unten wird es auch kaum frischer werden. - Das Ganze soll noch bis Mittwoch so gehen, wer Klimaanlagen zu verkaufen hat der freut sich darüber, wer draußen arbeiten muss bekommt schlechte Laune und Sommergrippe ist bei dm Wetter auch suboptimal… - Schuld daran ist ein Tiefdruckgebiet, und was für ein schönes und dickes Exemplar seiner Zunft, welches genau dort liegt, wo eigentlich unser Azorenhoch seinen Dienst tun sollte, um uns permanent kühle und feuchte Atlantikluft heranzuführen. - Das \"Azorenhoch\" hat sich nun von dem Tief weit in den Norden drücken lassen, und bei uns herrscht eigentlich überhaupt kein Wetter, wir sind im Niemandsland der Drücke angelangt und so ein willfähriger Spielball für Temperaturen die unseren Breiten eigentlich angemessen sind. - Das Tief zieht sehr langsam nach Westen, obwohl es so kompakt und kraftvoll daherkommt, so dass wir die afrikanische Note an unserem Dasein noch ein paar Tage weiter spüren werden.
Eigentlich wiederhole ich mich immer wieder, wenn ich von der nun potenzierten Waldbrandgefahr schreibe, aber mit dem Wind zusammen ergibt die Hitze und die Trockenheit ein wahrhaft diabolisches Dreigestirn, und man kann es wohl nicht oft genug sagen. - Extreme Vorsicht ist nun wieder angesagt, und viele Augen sehen die entstehende Gefahr noch schneller, und können so die vielen in Bereitschaft stehenden Kräfte rechtzeitig informieren, wo denn trotz aller Vorsicht ein Feuer ausgebrochen ist. - Wen ruft man an, die 112 natürlich, das ist der allgemeine Notruf, und dort gibt es auch Telefonisten, welche englisch sprechen und manchmal auch deutsch, so klappt das dann mit der Verständigung auch. - Bislang hat das in den heißen Tagen ja wunderbar funktioniert, schnelle Meldungen und schnelles Eingreifen haben aus zahlreichen kleinen Feuern keine Katastrophe werden lassen und so kann man doch durchaus guten Mutes sein, dass wir das weiterhin so gut organisiert durch den heißen Sommer ziehen. |
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