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WETTER
Delta

Am 28.11.2005 stürmte "Delta" die Kanarischen Inseln.
La Palma war aber nicht so stark betroffen, wie z. B. Gran Canaria und Teneriffa.
         Der Sturm richtete zwar einige Schäden an den Stränden an, Menschen und ihre Häuser blieben aber, abgesehen von einem Stromausfall, verschont. Subjektiv erscheinen die Meldungen aus dem deutschen Fernsehen krasser, als es sich tatsächlich zugetragen hat. Kurz: es geht uns gut.

Bilder aus Puerto Naos:

Schäden am Kiosk "Playa Morena"

Umgekippte Betonbänke

Entwurzelte Palmen

Versunkener Spielplatz

Versandeter Mülleimer

Zerstörter Weg zum Pool vom Hotel "Sol"


Hier noch eine Zusammenfassung aus dem Inseltagebuch von Matias Siebold:

Jetzt geht´s los

Der Wind frischt jetzt auf, kommt in Böen aus Süd und soll in den nächsten Stunden auf Südwest drehen.
Der Flughafen ist im Moment geschlossen, die Maschine aus Amsterdam ist auf Tenerife gelandet, die anderen erwarteten Flugzeuge werden wohl auch dorthin umgeleitet. Allerdings kann es immer wieder zu kleinen Pausen kommen in denen doch Flugzeuge landen können, das entscheidet der Pilot dann ganz alleine.
         Für heute ab 14:00 Uhr sind alle öffentlichen und schulischen Veranstaltungen abgesagt, ob morgen Schule sein wird, das wird dann heute Abend entschieden. Im Radio wird empfohlen sich mit Kerzen und Batterien einzudecken unsere vielen Oberlandleitungen sind nicht gerade geeignet, einen handfesten Sturm abzureiten. Wer es versteht, auf \"Radio Cope\" FM 95 wird ganz oft über den aktuellen Stand berichtet. Allerdings scheint uns das Tief nicht voll zu erwischen, die größten Wassermassen sind jetzt bereits nördlich von uns. Die Voraussagen sind weiterhin ganz unterschiedlich.
         Laut der Diagramme der Amerikaner ist morgen Früh alles wieder im Lot, das nationale Wetteramt dehnt den Besuch \"Deltas\" noch bis morgen Abend aus.
Montag 28.11.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos PalmasTemperatur 16 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 85 % Luftdruck 1007 hPa

Sturm

Seit nunmehr 12:30 Uhr stürmt es gewaltig und tiefe Wolkenschwaden begrenzend die Sicht auf unter 100 Meter.
Der Wind kommt nun bereits aus Süd-Südwest und erreicht in Böen locker die 100 Stundenkilometer, die Straße zum Cumbretunnel ist vom vielen Kastanienlaub grün und man muss extrem vorsichtig fahren.
         Seit Mittag gehen auch die lokalen Radiosender nicht mehr und seit etwa 16:00 Uhr habe ich auch keinen Fernsehempfang mehr über die Antenne welche auf den Time ausgerichtet ist. Der Flughafen ist wieder dicht, zwischendurch konnten einige interinsulare Flüge landen und auch die Chartermaschine aus Mailand. Die Condor aus München hatte weniger Glück, bei ersten Anflug versuchte diese zweimal zu landen, drehte dann aber nach Tenerife Süd ab.
         Gegen 14:30 Uhr versuchte die Condor erneut auf La Palma zu landen, musste aber nach drei vergeblichen Versuchen wieder zurück nach Tenerife. Ein halbe Stunde früher wäre es wohl noch gegangen, die Zeitfenster welche uns der Sturm lässt sind aber nicht vorauszusehen.
         Aus El Hierro werden Spitzenwindgechwindigkeiten von 130 km/h gemeldet und in unserer Hauptstadt traf ein Palmwedel der sich durch den Sturm gelöst hat eine deutsche Touristin. Man kann also wirklich nur wiederholen, wer nicht unbedingt das Haus verlassen muss, der sollte das auch besser nicht tun.
Montag 28.11.05 - 12:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 88 % Luftdruck 1006 hPa

Ohne Strom nichts los

Nachmittags fing es bereits an, Stromausfälle in vielen Regionen der Insel. Wir in El Paso dachten schon wir könnten allen wieder den berühmten Finger zeigen - ab 18:00 Uhr bis jetzt, ging nichts mehr.
Zwischendurch schickte man uns so etwas wie Notstrom, ich habe nachgemessen, die Spannung lag bei 80 Volt, davon ließen sich einige Glühbirnen beeindrucken, aber sonst nichts. Webcam war seit dem aus, meine beiden UPS haben Pfeiftöne abgegeben, die ich so noch nie vernommen habe.
         Der Wind hat gegen 18:00 Uhr leicht nachgelassen, um dann nach zwei Stunden erneut richtige Sturmstärke zu erreichen. Ich habe wenig Informationen, kein Radio, kein Fernsehen und um uns herum braust es gewaltig. Vorhin war ich noch mal einen Freund besuchen, kaum noch ein Auto sonst unterwegs, macht auch im Moment wenig Spaß da draußen zu sein.
         Bemerkenswert ist weiterhin die völlige Disharmonie des nationalen Wetteramtes, www.inm.es und den Wetterdiagrammen der www.wetterzentrale.de, die als absolut glaubhafte Quelle Diagramme aus der ganzen Welt sammelt und veröffentlicht. In beiden Seiten muss man sich durchhangeln, einen \"deeplink\" für La Palma gibt es nicht, da die Informationen im Minutentakt geändert werden - lohnt sich aber. Nach meiner subjektiven Einschätzung ist in der längerfristigen Beobachtung die Wetterzentrale besser und in den nahen Vorhersagen das nationale Wetterinstitut, (Instituto Nacional de Meteorología). Das wird spannend, weil eine der beiden Vorhersagen nun wirklich nicht stimmen kann. Aus der Internetpresse kann man noch entnehmen, dass der Sturm nun auch die östlichen Inseln erreicht hat und auf dem Weg nach Nordost auch dort für viel Ungemach sorgt.
         Der Gottesfinger, el Dedo de Dios, bei Agaete auf Gran Canaria ist eingestürzt, ein pittoresker Felsen, der wie ein Mahnmal, aber auch als Phallussymbol viele Postkarten und Mythen bereicherte. - Es bleibt spannend und wir haben Strom!
Montag 28.11.05 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos PalmasTemperatur 19 Grad, Niederschlag: 7 mm, Luftfeuchte 95 % Luftdruck 998 hPa


Windstille


Noch in der Nacht hat der Wind nachgelassen und jetzt herrscht fast Windstille. Die Sterne sind zu sehen, das Barometer steigt unaufhörlich und wie es aussieht, hat Delta sich vom Acker gemacht, weiter Richtung Nordosten.

Bis auf die eine leicht verletzte Urlauberin, die in unserer Hauptstadt \"unter die Palme\" gekommen ist, gibt es keine weiteren Meldungen über Personenschäden auf La Palma. Mit ihrem Leben mussten mindestens 7 Flüchtlinge bezahlen, die 400 Kilometer südlich von Gran Canaria mit ihrem Boot kenterten, 31 Menschen konnten vom panamaischen Tanker \"Etoile-Lava\" gerettet werden, davon wurden 6 Flüchtlinge die verletzt waren per Helikopter nach Gran Canaria geflogen, die anderen werden heute per Schiff vom Tanker abgeholt.
         Noch ist nicht klar, wie viele Flüchtlinge überhaupt auf dem Boot waren, die Zahl der Ertrunkenen könnte sich noch erhöhen. Zurück nach La Palma. Keine Schule heute ist der letzte Wissenstand, es ist zwar ein guter Hinweis sich mit Batterien gegen möglichen Stromausfall zu wappnen, wenn aber dann der Radiosender ausfällt, aus welchen Gründen auch immer, kann man unabhängig vom Stromnetz wunderbares Rauschen und das auch noch stundenlang hören.
         Seit gestern gegen 15:00 Uhr landete kein Flugzeug mehr auf La Palma und auch die nächtliche Fährverbindung von Tenerife nach La Palma wurde wegen zu starken Seegangs gestrichen. Die Vorhersagen gehen wieder weit auseinander, das staatliche Wetteramt warnt vor weiteren starken Regenfällen und möglichen Sturmböen bis heute Nachmittag, laut der Wetterdiagramme die uns die Wetterzentrale zur Verfügung steht, ist \"Delta\" für uns bereits Vergangenheit.
Montag 28.11.05 - 22:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 8 mm, Luftfeuchte 93 % Luftdruck 1001 hPa

Wunden lecken

Sieht man die Bilder aus Tenerife, dann haben wir ja durchaus noch Glück gehabt, allerdings werden auch hier noch keine Zahlen genannt, welche Schäden in der Landwirtschaft erwartet werden.
Da der Wind sehr schnell auf Südwest und dann West drehte, bekam der Osten der Insel deutlich mehr ab als der Westen. Dazu muss man wissen, das gefährliche sind die Fallwinde, die deutlich schneller die steilen Hänge der Insel herabsausen, als der Wind auf der tatsächlich Wind zugewandten Seite ist.
         Am stärksten betroffen war die gesamte Ostseite, auch die Hauptstadt, aus der die einzige Verletzte gemeldet wird, bis hinauf nach Puntallana und Los Sauces.
         Die meisten Bananenpflanzer sind bei der \"Agroseguros\" gegen Windschäden versichert, viele Landwirte die andere Kulturen ziehen, sind aber ohne Absicherung.
Dienstag 29.11.05 - 13:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1010 hPa

Bye-bye Delta

La Palma tut so als wäre nichts gewesen, zumindest hier auf der Westseite muss man genauer hinschauen um die Folgen des bislang schwersten Sturms des Jahres zu entdecken.
Der Osten der Insel hat mehr abbekommen, dort sind aber die Straßen auch bereits wieder von Geröll und umgestürzten Bäumen befreit. Jetzt werden die Schäden analysiert, Avocados und Zitrus soll es wohl hauptsächlich erwischt haben. Die Behörden haben nun auch den Alarmzustand wieder beendet, das hätte man heute Nacht schon tun können, aber die Wetterpropheten waren noch nicht bereit völlige Entwarnung zu geben.
         Dazu muss man sagen, dass die Daten des amerikanischen GFS (Global Forecast System) den Verlauf des Tropensturmes fast auf die Stunde genau vorhergesagt haben, die staatlichen Meteorologen waren da skeptischer und so wurde für diesen strahlend schönen Tag auch noch Ungemach vermutet.
Dienstag 29.11.05 - 07:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 88 % Luftdruck 1005 hPa

Aus dem Inseltagebuch von Matias Siebold (www.la-palma-aktuell.de), Texte sind teilweise gekürzt. Fotos: U. Rösch
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