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WETTER
Vom Unwetter gebeutelt

Nach vielen Wochen generell schönen Wetters auf der Insel legte der März 2001 ungestüm mit meteorologischen Turbulenzen los.
Der südliche Zipfel einer atlantischen Schlechtwetterfront zog über La Palma und zeigte sich weitaus stärker ausgeprägt als von den Meteorologen vorhergesagt. Dies hatte zwar lange erwartete Niederschläge zufolge, aber auch stürmische Winde.

Der Flugplatz war einige Tage lang mehr Stunden am Tag geschlossen als geöffnet. Besonders die verhältnismäßig kleinen Maschinen der interinsulären "Binter" waren von dem Wetterunbill betroffen. In den Zeiten, in denen der Flughafen in Betrieb sein konnte, versuchte die Gesellschaft notdürftig, mit Sonderflügen die Hunderte von wartenden Passagieren an das von ihnen angestrebte Ziel zu bringen.
         Die großen Flugzeuge der europäischen Charterlinien kamen etwas besser über die Runden, aber auch von ihnen mußten etliche Flüge nach Teneriffa umgeleitet werden.

Auch der Fährverkehr war beeinträchtigt. Ein Schiff der Fred.Olsen-Linie konnte nicht wie vorgesehen gegen Mitternacht in den Hafen einfahren wegen zu starken Windes. Der hatte außerdem zwei Container ins Hafenbecken geblasen. Im Morgengrauen konnte man dann feststellen, das diese Container keine Gefahr für das Schiff darstellten. Bis dahin warteten über hundert Passagiere in der Abfertigungshalle des Hafens. Die bekam dann den Sturm auch zu spüren und erlitt solche Schäden, daß die erstmal verhinderten Reisenden woanders hin gebeten wurden.
         Manche fuhren mit ihren Autos wieder nach Hause oder wo immer sie hergekommen waren. Für über 80 der wartenden Fahrgäste gab es jedoch keine Bleibe, und deshalb quartierte man sie im Sitzungssaal des Rathauses von Santa Cruz ein.
         Mit 10 Stunden Verspätung konnte die Fähre dann doch noch die vorgesehene Reise antreten.

Große Schäden in der Landwirtschaft
In den landwirtschaftlichen Kulturen auf der Ostseite der Insel richtete der Sturm beträchtliche Schäden an. Wie immer bei solchen Gelegenheiten waren die Bananenplantagen betroffen, aber auch Kartoffel- und sonstige Gemüsekulturen wurden arg gerupft.
         Auf der palmerischen Westseite hielten sich die Schäden in Grenzen.

Tazacorte meldete erfreut, daß dieses Unwetter im Hafen diesmal nur wenig Schaden angerichtet habe; allerdings war das Meeresschwimmbecken, sozusagen seit Urzeiten im Bau, wieder einmal vollgelaufen.
         In Puerto Naos sperrte die Polizei vorsorglich den Strand, denn die Wellen waren so gewaltig, daß Baden nicht möglich war; aber der eine oder andere Urlauber hätte das möglicherweise nicht glauben wollen.

Wer in einer der Strandsiedlungen – El Remo, La Bombilla, Playa Nueva – wohnte, mußte unruhige Nächte in Kauf nehmen. Das Meer überschwemmte zwar nicht so viel, wie man hätte befürchten können, aber es war derart laut, daß es bis in die Mittellagen des Aridane-Tals zu vernehmen war.

Am 6. März regnete es dann so viel wie nie zuvor an einem Tag in dem gegenwärtigen Winter (62 Millimeter in El Paso). Das Auffangbecken in Dos Pinos sollte mit Überschußwasser aufgefüllt werden. Aber es stellte sich heraus, daß sich auf dem Boden des Beckens ein Leck gebildet hatte.
         Deshalb mußte, gegensätzlich zur ursprünglichen Absicht, das ganze Wasser abgelassen werden, um das Leck reparieren zu können. Es barmte natürlich um das viele gute Wasser. Teilweise konnte es in andere Tanks umgeleitet werden, aber ein Rest von etwa 25.000 Kubikmeter mußte ins Meer entlassen werden.

Regen auf La Palma, Feuer auf Teneriffa
Auf den anderen Inseln stürmte es ebenfalls. Auf Teneriffa war es jedoch trocken. Ein Waldbrand in der Gegend von Icod de Los Vinos konnte nur mit Mühe gelöscht werden, nachdem 270 Hektar bereits in Schutt und Asche lagen. Vor Los Gigantes auf Teneriffa zerschellte eine Segeljacht mit sechs Engländern an Bord. Zwei von ihnen kamen dabei um.

Schlimmes hörte man auch von Festlandspanien. Dort geht seit Monaten der nasseste Winter seit 50 Jahren über die Bühne. In manchen Ortschaften weiß man gar nicht mehr richtig, wie es ist, ohne Überschwemmung zu leben. Viele Reservebecken und Stauseen sind so voll, daß Wasser entlassen werden muß in Mengen, die dann unterhalb Überschwemmungen hervorrufen.
         In der Innenstadt von Madrid fiel ein ganzes, in Renovierungsarbeiten befindliches Eckhaus zusammen. Ob daran der Regen schuld hatte, ist noch nicht geklärt. 14 Personen wurden verletzt, eine getötet. Ein Überlebender konnte gerettet werden, weil er über sein Handy unter den Trümmern heraus von seiner mißlichen Lage berichten und um Hilfe rufen konnte.

Fünf Tage später fiel ebenfalls in Madrid der erste Stock eines Hauses ein und tötete zwei Menschen. Mehrere andere Häuser wurden sodann vorsorglich geräumt, weil Klagen über den schlechten Zustand der Baulichkeiten ernst genommen wurden. Eine Eisenbahnbrücke brach in den sie überquerenden Fluß, als ein Güterzug darüberfuhr; drei Wagen fielen ins Wasser und konnten nur mit viel Aufwand geborgen werden.

In Portugal brach unter den Fluten des hochwasserführenden Flusses Duero eine Straßenbrücke zusammen und riß einen Autobus und mehrere PKW in die Tiefe. Wieviele Tote es dabei gab, ist noch nicht bekannt – 70 bis 80 nimmt man an. Mehrere der Leichen wurden nach einigen Tagen an der Küste des spanischen Galiziens angeschwemmt.
         Bis dahin sind es immerhin über 250 Kilometer. Und aus der Ukraine und Ungarn, selbst aus dem entfernten Australien wurden Überschwemmungen von nie gekannten Ausmaßen gemeldet.

Der nächste Sturm war bereits unterwegs
Nach dem Schlechtwetter folgten auf La Palma fünf sonnige und mildtemperierte Tage. Am 12. März war damit Schluß. Ein weiteres Unwetter zog über die Insel, dieses Mal von Osten. Der Sturm pfiff über die Cumbre Nueva ins Aridane-Tal und brachte neben dem begrüßten weiteren Regen Schäden über die landwirtschaftlichen Kulturen. Auf dem Roque de Los Muchachos schneite es.
         Die Avenida Marítima in Santa Cruz de La Palma und der große Parkplatz am Meer wurden wieder überschwemmt wie schon vor zwei Jahren.

Dieses Ereignis war noch in aller Erinnerung, und deshalb begann man frühzeitig, wenigstens die Autos aus der Gefahrenzone zu entfernen. Betrübt ließ sich der Bürgermeister der Stadt vernehmen, an solche üblen Ereignisse wolle man sich gar nicht erst gewöhnen. Es müsse dringend Abhilfe geschaffen werden.
         Dabei ist die Misere hausgemacht. Seit ihrer Konstruktion in den 40er Jahren ist bis 1999 die Marítima nie überschwemmt worden. Das aufgeschüttete, vom Meer für die Schaffung von Parkplätzen abgewonnene Land hat eine steilere Küste hervorgebracht als vordem vorhanden.
         Über sie schwappen die Wellen bei Stürmen wie am 12. März ungebremst hinweg.

Aus: Correo del Valle vom 23.03.2001

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