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WASSER
Wasserverteilerkästen und Wasserverteilungssystem

Das Wasser aus den Sammelrohren wird über Verteilerkästen (cajas de agua) so gerecht und korrekt wie möglich an die Abnehmer abgegeben, denn Wasseruhren sind auf der Insel erst seit einiger Zeit üblich.
Diese Kästen sind einerseits ganz einfache Einrichtungen, zeugen aber anderseits von dem außerordentlichen Scharfsinn derer, die sie erfunden haben.
         Früher wurden sie aus Natursteinen gebaut und mit sogenanntem hydraulischen Zement abgedichtet, später aus Zementziegeln oder Betonplatten mit ent-sprechendem Verputz.

Das abgemessene ankommende Wasser wird im Inneren des Kastens in ein kleines Becken geleitet, wo es sich beruhigt und seine Fließdynamik verliert. Von dort gelangt es durch eine Öffnung in ein zweites Becken, und keine noch so kleine Wellen trüben mehr die Wasseroberfläche.
         In diesen zwei Becken können sich auch Schwebestoffe auf dem Grund absetzen, so daß das Wasser erstaunlich klar abfließen kann.
         Je höher die zu verteilende Wassermenge, desto größer müssen die Beruhi-gungsbecken sein und um so breiter die Abflußschwellen.

Die eigentliche Verteilung zu den einzelnen Ableitungsrohren geschieht über eine zweite Schwelle, auf deren absolute waagerechte Ausrichtung großer Wert gelegt werden muß. Sie wird sorgfältig glatt gestrichen, damit das darüberlaufende Wasser wenig Reibung erfährt.
         Auf dieser zweiten Schwelle werden Verengungen geschaffen, deren Breite dem zu verteilenden Wasser entspricht. Gängig ist ein Zentimeter Breite pro Wasserrecht, wenn gleiche abzuleitende Wassermengen anstehen – Rechte von einer einzigen Gesellschaft etwa.
         Die Auslässe werden entweder mit geeignetem Material gemauert oder mittels zurechtgeschnittener Holzklötzchen gebildet. Von den Verengungen läuft das Wasser sodann in die Rohre zu den einzelnen Verbrauchern oder in weiteren Sammelrohren zu anderen Verteilerkästen.

Schlüsselwächter der Verteilerkästen
Die Kästen werden unterschieden in Hauptverteiler (cajas principales) oder private Verteiler (cajas particulares). Für Erstere sind von den wasserfördernden Gesellschaften hauptamtlich angestellte Schlüsselträger (llaveros) zuständig, sogenannt, weil sie die Schlüssel zu den Kästen haben.
         Von den Hauptverteilern wird das Wasser aus den Rohren und Kanälen der einzelnen Wassergesellschaften abgelassen. Von da kann es direkt zu den Beziehern geleitet werden oder zu weiteren, privaten Kästen.
         Die sind in der Regel von mehreren, meistens irgendwie benachbarten Beziehern errichtet worden und stellen einen dauernden Konfliktstoff dar!
         Davon kann unsere Serviceabteilung von Contacto ein Lied singen.

Niemand möchte die Verantwortung für sie übernehmen und Schlüsselträger sein. Schließlich muß man dafür in Kauf nehmen, zu jeder Tages- und Nachtzeit für irgendwelche Korrekturen aus dem Haus geholt zu werden, etwa weil irgend eine Unreinlichkeit einen ordnungsgemäßen Abfluß verhindert und deshalb ein Nachbar grimmig, weil ohne Wasser, auf sofortige Abhilfe drängt.
         Außerdem glaubt jeder der an einem Verteilerkasten angeschlossenen Verbraucher, er bekomme zu wenig Wasser, teilt aber andererseits normalerweise nicht mit, wenn er eindeutig zu viel davon bekommt.
         Deshalb sind manchmal mehrere Personen für einen Privatverteiler zuständig: Jeweils eine hat einen Schlüssel für ein Schloß, und die andere einen Schlüssel für ein weiteres, vom ersten abweichendes Schloß und so weiter. So kann sozusagen nur unter Zeugen an einem Kasten etwas korrigiert oder sonstwie manipuliert werden.

Für kleine Wassermengen sind vielfach Verteilerkästen üblich, die einen bis zu einer gewissen Höhe abhebbaren, aber nicht entfernbaren Deckel haben.
         Jedermann kann das ordnungsgemäße Arbeiten des Kastens oder das Gegenteil davon in Augenschein nehmen und den oder die Schlüsselträger benachrichtigen, wenn es irgendeiner Korrektur an der Einstellung des Verteilers bedarf.
         Vielfach sind die Kästen auf turmartigen Konstruktionen angebracht, um einen störungsfreien Abfluß zu gewährleisten. Auch diese Gebilde werden eher nach zweckmäßigen Gesichtspunkten gebaut als nach den Regeln der Ästhetik.

Aus: La Palma Info Nr. 18, Jahresausgabe 2001 - 2002

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