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WASSER
Wasserqualität

Das Wasserverteilungssystem auf La Palma ist mehrere Dokumentationen, viele Romane, manche davon in mehreren Teilen zu schreiben und Saga-verdächtig, mindestens eine Soap, aber auch diverse Dramen wert.
Ganz kurz, denn mehr Zeit bleibt nicht am frühen Morgen, das Wasser und damit der Reichtum dieser Insel befindet sich nach wie vor in privaten Händen und ist ein prima Geschäft.
         Wer zur rechten Zeit seine Lizenzen erwarb nach Wasser zu bohren, dessen Familie lebt heute noch aus feuchtem Erbe und niemand gräbt wirklich daran, diese bemerkenswerte Situation grundlegend zu ändern.

Oberflächlich betrachtet scheint dieses System mindestens feudal zu sein, allerdings haben derart viele Bewohner dieser Insel Anteilscheine, auch Aktien genannt, der privaten Wassergesellschaften, dass kein wirklicher Druck entsteht, dieses System zu sprengen. -
         Was würde denn dann mit den teuren Anteilen geschehen, die wären dann ja wertlos und so schmurucheln wir hier weiter mit einem, ich glaube in ganz Europa, einmaligem System. -
         Oft kommt der Vorwurf, es gäbe eine "Wasser-Mafia" hier auf La Palma, aber ist stark übertrieben, es gibt Interessenlagen und sicher auch Klüngel, aber mafiöse Strukturen ziehen körperliche Gewaltanwendung bis hin zu Morden in ihr Kalkül ein und das ist hier deutlich nicht der Fall.

Es gibt aber, neben den privaten Verteilernetzen, die man leicht an den vielen galvanisierten Rohren in allen Größen erkennen kann, welche sich wie Adern über die Insel legen, auch ein öffentliches Verteilernetz, welches dezentral von den Gemeinden geführt wird.
         Das nennt man "Gemeindewasser" oder "Agua del Ayuntamiento", wobei das nicht ganz richtig ist, denn auch die Gemeinden müssen das Wasser von den großen privaten Aktiengesellschaften kaufen, den Kommunen gehört nämlich, auch wenn die Galerie oder der Brunnen auf deren Grund liegt, das Wasser selbst nicht.
         Aber das ist kein Grund dafür, dass man selbst mit dem "Gemeindewasser" auch noch Geld verdienen kann, so haben in den letzten Jahren vier lokale Korporationen ihren Wasserversorgungsdienst an den kanarenweit operierenden Dienstleister "Canaragua" vergeben. Das meist für 25 Jahre und im Gegenzug gibt es Zahlungen in Millionenhöhe, was bereits für die Sanierung mehrerer Gemeindehaushalte gesorgt hat.

Um diesen wässrigen "Kuchen" streiten sich gar drei Firmen, die bereits genannte und bislang einzige Firma, welche hier auf La Palma landen konnte die "Canaragua", sowie die "Valoriza Agua" (ein Unternehmen der Sacyr-Gruppe) und die "Aqualia". Andere Gemeinden werden nachziehen, zu groß ist die Versuchung diesen aufwendigen Dienst zu privatisieren und dafür auch noch leckere Millionen zu erhalten.
         Auch wenn so ziemlich jede Vergabe der Wasserlizenzen vor Gericht landet, denn die Verlierer geben sich so einfach nicht geschlagen, hat "Canaragua" nun in die Zukunft investiert und ein Labor für die ständige Wasserkontrolle hier auf der Insel errichtet. - Bislang mussten alle Proben, die übrigens täglich genommen werden müssen, nach Tenerife geschickt werden.
         Man schient sich ja bei "Canaragua" so ziemlich sicher zu sein, auch die anderen Gemeinden zukünftig mit Wasser versorgen zu können, sonst hätte man diese Investition wohl nicht getätigt.

Auch wenn das Gemeindewasser nicht wirklich beliebt ist, ganz einfach durch die gesetzliche vorgeschriebenen Chlorung, jeder der Wasser hier gewerblich nutzt, muss dieses Wasser beziehen, aber auch die meisten Privathäuser haben inzwischen ihren Anschluss, so dass man sich wohl keine zu große Sorgen machen muss, Wasser ist in allen Bereichen auf La Palma (und nicht nur dort) ein prima Geschäft.

Aus: Mathias Siebolds Inseltagebuch vom 20.06.08, zu finden unter www.la-palma.aktuell.de

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