In
vielen Gemeinden La Palmas hat man die städtische
Wasserversorgung bereits in private Hände
gegeben.
Für die Gemeinden selbst zahlt
sich das sogar in klingender Münze aus,
meist werden die Konzessionen für den langen
Zeitraum von 25 Jahren vergeben und die Versorgerfirmen
zahlen dafür Millionenbeträge.
Drei Firmen
bewerben sich dazu auf La Palma, die "Canaragua",
die "Valoriza Agua" und die "Aqualia".
- Allerdings ist auf La Palma bislang nur "Canaragua"
zum Zuge gekommen, was die anderen beiden Gesellschaften
auch schon per Gerichtsentscheid angefochten
haben, so muss man zum Beispiel auch in El Paso
die im Jahre 2005 verteilte Lizenz an "Canaragua"
neu ausschreiben.
Allerdings wissen wir noch nicht so genau wann
das sein muss, so lange betreut diese Firma
unsere Wasserversorgung weiter und wie ich als
Konsument beurteilen kann, zuverlässig
und ohne Probleme. Auch sind die Wasserpreise
nach der Privatisierung nicht angestiegen, dem
Verbraucher sollte es also egal sein, ob er
aus öffentlicher Hand oder aus der Leitung
einer Versorgerfirma sein Wasser erhält.
In der Hauptstadt
Santa Cruz ist es wohl noch nicht entschieden,
ob "Valoriza Agua" und die "Aqualia"
eine Neuausschreibung erzwingen können,
denn auch dort ist "Canaragua" tätig
und liefert nun einen ersten Tätigkeitsbericht
nach einem Jahr ab.
Nur für Außenstehende ist erstaunlich,
dass man in der Hauptstadt nun mehr Wasser an
Abnehmer berechnen kann als früher, obwohl
die Anzahl der Bewohner deutlich gesunken ist.
Das liegt ganz einfach an den vielen Haushalten
die zwar von der Gemeinde ihr Wasser bezogen
hatten, aber nie dafür eine Rechnung erhielten
Wollen wir
das mal einen Formfehler nennen, wobei böse
Zungen behaupten, es sei üblich gewesen
sich einfach an die städtischen Leitungen
zu klemmen, ohne Zähler und damit auch
ohne Rechnung.
Manchmal haben die bösen Zungen auch recht,
aber man muss das doch nicht immer so burschikos
ausdrücken…
In der Tat berichten die Mitarbeiter von "Canaragua"
von aufgebrachten Kunden, denen das Wasser abgedreht
wurde. -
Diese "Kunden" kamen sich nun beschweren,
konnten aber nie eine Rechnung vorweisen oder
gar eine Zählernummer, anhand überhaupt
festgestellt werden kann, wie hoch der Wasserverbrauch
des Kunden ist. -
Man wollte seitens der Firma "Canaragua"
nicht mitteilen, wie viele Kunden denn auf Grund
von "Formfehlern" keine Rechnung erhalten
haben, wahrscheinlich mit Rücksicht auf
die Techniker der Stadtverwaltung, deren Aufgabe
es früher gewesen war, solche Praktiken
zu verhindern.
Zweite Großbaustelle in der Hauptstadt
sind die vielen Lecks in der Wasserver- und
Entsorgung, das Leitungsnetz ist in die Jahre
gekommen und allein im ersten Jahr nach der
Übernahme durch "Canaragua",
haben man den Verlust an Wasser von 60% auf
nunmehr 20% drücken können.
Man muss sich das mal vorstellen, früher
verschwanden von 100 eingeleiteten Litern Wasser
deren 60, meist aus Leckagen in den Leitungen,
aber eben auch an Abnehmer die niemals dafür
bezahlen mussten.
So wird auch langsam klar, warum ein bislang
defizitärer Bereicht der öffentlichen
Versorgung in der Hand eines privaten Unternehmens
zu einem gewinnträchtigen Geschäft
gewandelt werden kann.
Man könnte ja nun aus diesem Schluss auch
die Lehre ziehen, vielleicht auch die Politik
endlich effizient und zukunftsgewandt zu machen,
in dem man die Parteien privatisiert. -
Aber davor muss ich aus praktischen Gründen
warnen, das ist nämlich hier mit der Coalición
Canaria S.L. längst geschehen, die arbeiten
zwar äußerst effektiv, aber nur zum
eigenen Wohl und schütten alle Dividenden
wieder nach hinten in die eigenen Reihen.
Aus:
Mathias Siebolds Inseltagebuch vom 15.02.09,
zu finden unter www.la-palma.aktuell.de