Allein
in einem Jahr, hat die Firma "Canaragua"
in Santa Cruz de La Palma über 300 nicht
angemeldete Entnahmestellten registriert, was
man auch ganz pauschal mit Wasserdieben bezeichnen
könnte.
Allerdings darf man nicht in allen Fällen
kriminelles Handeln unterstellen, oft geht das
auch auf die Kappe der Faulheit oder Überlastung
der städtischen Beamten, die bei einem
Umzug eines Verbrauchers wohl die Rechnungen
nicht mehr verschickte, den Anschluss selbst
aber nicht sperrte.
Irgendwann
kommen dann neue Mieter, es läuft weiterhin
Wasser aus dem Hahn und dann "vergisst"
man einfach die Anmeldung und freut sich seines
unbekümmerten Wasserlebens.
Gut, eigentlich sollte jedem
klar sein, dass Wasser nicht gratis aus der
Wand fließt, aber das Kontrollsystem in
der Hauptstadt hat früher so gut wie nicht
funktioniert und man schätzt, dass noch
mal so viele "stille Verbraucher"
ihr Wasser weiterhin ohne Rechnung erhalten.
Die seit
einem Jahr nun beauftragte Firma "Canaragua"
hat sich vorgenommen, diesen kostenlosen "Service"
jetzt trocken zu legen, natürlich aus wirtschaftlichen
Gründen, denn die wollen mit der Wasserver-
und Entsorgung schließlich Geld verdienen.
Wer nicht bezahlt, der bekommt einfach kein
Wasser mehr und die Zähler für welche
keine Rechnungen verschickt wurden, werden kurzerhand
still gelegt.
Wer dann wieder Wasser haben
will, der muss nur bei "Canaragua"
anrufen, dann fließt wieder Wasser, allerdings
zukünftig auch eine Rechnung.
Man hat aber auch reihenweise Entnahmestellen
im öffentlichen Wassernetz gefunden, die
ganz ohne Zähler auskommen, da haben findige
"Klempner" einfach ein T-Stück
vor den Zähler gesetzt und schon fließt
Wasser, allerdings ohne jemals irgendwie auf
einer offiziellen Liste zu erscheinen.
Solche "Selbstversorger" werden nun
auch einfach vom Netz genommen, wobei es nicht
leicht war für die Techniker der Firma
überhaupt festzustellen, ob es sich um
eine illegale Abzweigung handelt, oder um einen
anderen Versorgungsstrang, an dem wiederum legale
Abnehmer hängen.
Man hat sich jedenfalls im ersten Jahr der
"Wassermachtübernahme" schon
mal kräftig durch den Versorgungsuntergrund
der Hauptstadt gegraben und ist jetzt auch dabei,
so etwas wie einen Plan der Wasserleitungen
zu erstellen, die da Santa Cruz mit Flüssigkeit
versorgen.
So etwas gab es nämlich
nicht, oder eben keinen Plan welcher der Wirklichkeit
entsprochen hätte.
Auf jeden Fall pumpt man vorne immer noch Unsummen
an Wasser mehr, in die Versorgungsleitungen
als man hinten Kassieren kann, wobei das Gros
der Differenz nicht auf Diebstahl geht, sondern
auf Lecks, welche in den vielen alten Versorgungsleitungen
der Hauptstadt ein nicht enden wollendes Aufgabengebiet
für tüchtige Klempner bietet.
Stück für Stück will man nun
die alten Leitungen erneuern, wenn nun eine
Havarie auftaucht, dann wird nicht mehr wie
früher nur geflickt, sondern gleich die
Rohre und Verbindungsteile ausgewechselt.
Bei diesen Arbeiten entdecken die Techniker
der Firma "Canaragua" dann auch immer
wieder illegale Entnahmestellen oder schlimmer
noch, oft sind die nachträglich eingepfutschen
Teile sogar Grund für den ganzen Schlamassel.
Auf jeden Fall zeigt der über
einhundert Seiten lange Bericht über das
erste Jahr Wasserversorgung in der Hauptstadt
durch "Canaragua" auch eine kaum angenommene
Schlamperei in der früheren städtischen
Wasserversorgung und so erklärt es sich
selbstredend natürlich auch positiver und
dringlicher, dass man solch einen Versorgungsdienst
privatisiert hat.
Sicher sollte man nicht erwarten, "Canaragua"
würde schreiben, alles ist in bester Ordnung
und eigentlich hätte man sie nicht gebraucht.
So läuft das Geschäft
nicht, auch nicht mit Wasser auf La Palma.
Aus:
Mathias Siebolds Inseltagebuch vom 15.03.09,
zu finden unter www.la-palma.aktuell.de