Es
gab schon einmal Kommunalwasser auf der Insel.
Das war das Wasser von drei Bächen in der
Caldera de Taburiente. Es gehörte ursprünglich
einem Neffen des legendären Eroberungsfeldherren
Alonso Fernández de Lugo, der Land und
Wasser nach seinem Gutdünken vergeben konnte.
Danach wurde es mehrfach weiterverkauft.
Im 19. Jahrhundert versuchten die Gemeinden
von Los Llanos und El Paso, den Besitzern des
Wassers ihr Recht streitig zu machen und erklärten
die Caldera zur Kommunalweide; das Wasser wurde
für die Öffentlichkeit bestimmt und
zum Selbstkostenpreis an Plantagenbetreiber
verkauft.
Es entzündete sich ein Rechtsstreit zwischen
dem später alleinig für die Caldera
zuständigen El Paso und den rechtmäßigen
Besitzern des Wasser, der schließlich
1954 zu Ungunsten der Gemeinde entschieden wurde
und endgültig erst 1970 zu den Akten gelegt
werden konnte.
In dieser Zeit kam ein kurioser Wassertransport
auf. Es gab eine Bestimmung, nach der "handgehobenes"
Wasser von jedermann kostenlos aus den vorbeiführenden
Kanälen entnommen werden konnte, wenn es
mit Muskelkraft nach oben transportiert wurde.
Auf diese Weise konnten auch Kulturen
später hauptsächlich Bananen
oberhalb eines Bewässerungskanales angelegt
werden. Zum Wasserheben standen zwei Männer
auf den Rändern eines Auffangbeckens.
Ein an einer langen Stange befestigter und eigens
zu diesem Zweck angefertigter Eimer wurde im
Wechseltakt in das Wasser getaucht, gefüllt
und über die Schulter hinweg in einen oberhalb
angelegten Kanal ausgeschüttet.
Das war harte Arbeit, und deshalb wechselten
sich die Wasserheber alle Stunde ab.
"Calabaceros" nannte man diese Wasserheber
und "riego a calabazo" den durch sie
bewirkten Wassertransport. Diese Bezeichnung
ist vermutlich dadurch zustandegekommen, daß
die Eimer in ihrer Form an einen Kürbis
(calabaza) erinnerten.
Manchmal wird auf landwirtschaftlich orientierten
Ausstellungen und Festen noch ein Wett-Wasserheben
veranstaltet, um diese Art des Wassertransfers
nicht ins Vergessen geraten zu lassen.
Erst in den 50er und 60er Jahren wurden Brunnen
in Küstennähe gebohrt mit dem in der
Regel ausschließlichen Ziel, Bewässerungswasser
zu fördern. Diese Brunnen haben ihren Grund
weit unter dem Meeresspiegel.
Oft genug sind sie nach einigen Jahren versalzen.
Manchmal sind sie deshalb gar nicht mehr nutzbar
oder nur, indem ihr salziges Wasser mit anderem
Süßwasser gemischt wird.
Aus: La Palma Info Nr. 18,
Jahresausgabe 2001 - 2002