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WASSER
Meer, Quellen, Brunnen, Galerien, Niederschläge

An ganz windstillen Tagen kann es vorkommen, daß das Meer spiegelglatt ist und nur ein ganz wenig von der atlantischen Dünung bewegt wird.
Dann kann man etwas entfernt vom Ufer, auf etwa 300 Metern Höhe, seltsame Oberflächenstrukturen beobachten: In Küstennähe tauchen einige Meter breite Streifen auf der Wasseroberfläche auf. Die treiben dann in südöstlicher Richtung aufs Meer. Zuweilen machen sie einen Knick, offensichtlich von jeweiligen Meeres-strömungen ausgelöst.
         Je weiter die Streifen aufs offene Meer gelangen, desto undeutlicher werden sie, und schließlich verschwinden sie ganz. "Rios del mar" nennen die Einheimischen das Phänomen.

Diese Streifen werden dahingehend gedeutet, daß vom Meeresgrund Süßwasser aus Quellen aufsteigt und wegen seines geringeren Gewichts gegenüber Salzwasser an die Oberfläche steigt, dort verharrt und gemäß der vorherrschenden Meeresströmungen weggetrieben wird.
         Weiter draußen im Meer haben die Quellen nicht genügend Druck gegen das über ihnen stehende Meerwasser und können sich nicht entladen.
         Es gibt auch eine Reihe von untermeerischen warmen Quellen, besonders in der Nähe der Strände um Fuencaliente; die Sporttaucher der Insel können sie spüren, wenn sie daran vorbeischwimmen.

Ein solches untermeerisches Dasein bleibt der Quelle im Charco Verde erspart. Sie schüttet ihr Wasser nur knapp oberhalb des Meeresspiegels aus. Bei Flut steigt das mit Zement eingefaßte Tümpelchen etwas höher, bei Ebbe sackt es ab.
         Die Gezeiten spielen da also eine Rolle, und das schmeckt auch, wer das Wasser probiert: Es ist Brackwasser. Deshalb wurde es auch in der Vergangenheit kaum zum Trinken verwendet, sondern nur für Reinigungszwecke oder allenfalls zum Kochen.
         Vor 14 Jahren zerstörte ein Zyklon weitgehend die wilde, bis dahin im Charco Verde bestehende Strandsiedlung; die durfte danach nicht wieder aufgebaut werden. Seitdem wird die Quelle nicht mehr gepflegt und ist nur noch ein Loch mit übelriechendem Wasser.

Wenig ästhetisch sieht es aus, wenn Süßwasser oberirdisch ins Meer fließt. Das kommt selten genug vor, aber doch: Bei Schlechtwetterfronten, die vom Atlantik über die Insel herziehen, kann es vorkommen, daß die Niederschläge nicht im Boden versickern, sondern oberflächlich abfließen.
         Vielfach sammeln die sich dann in Schluchten (Barrancos), fließen darin zu Tal und zuweilen auch ins Meer. "Der Barranco läuft", sagt man im Aridane-Tal, und meint damit, daß es so viel geregnet hat, daß der Barranco de Tenizca oder der Barranco de Las Angustias Wasser führt.
         Das tut letzterer zwar im Oberlauf immer, aber normalerweise versickert sein Wasser, lange bevor es das Meer erreicht. Wenn der Barranco dann aber wirklich mal richtig "läuft", läßt sich eine große Schmutzzone mit Schwebestoffen von der Mündung des Barranco im Hafen von Tazacorte bis fast Puerto Naos ausmachen. Es dauert danach jeweils einige Tage, bis sie wieder verschwindet.

Unter bestimmten Wetter- und Meeresbedingungen kommt es vor, daß in Küstennähe das Meer unappetitlich scheinende, schaumige Oberflächen aufweist. Sie werden oft für von Menschenhand erzeugte Verschmutzungen gehalten, für Einleitungen von Abwässern oder Ähnlichem.
         Aber dem ist nicht so. Es handelt sich in solchen Fällen nur um abgestorbene Algen, die einen wie auch immer gearteten Gärprozeß durchmachen und dabei den erwähnten Schaum erzeugen. Man kann ohne Schaden darin herumschwimmen.

Quellen
Oben auf der Cumbre Nueva, nur einige zig Meter unterhalb des Gipfels des Nambroque mit 1931 m Höhe über dem Meer, gibt es eine Quelle. Ein Wildbach geht nicht gerade aus ihr hervor. Aber sie wurde schon vor vielen Jahren "gefaßt", indem ein ausgehöhlter Baumstamm unter die Quelle gelegt wurde, der das Wasser auffängt.
         Damit umherstreifende Ziegen kein verschmutzendes Unheil anrichten können, wurde eine kleine Stütz- und Schutzmauer errichtet.

Ziegenhirten und Jäger schätzen diese Quelle; außerdem wird sie von Tauben und anderen Vögeln aufgesucht, und deshalb heißt die Quelle "Taubenquelle". So hoch oben in den Bergen ist die Schüttung starken jahreszeitlichen Schwankungen ausgesetzt.
         Im September etwa, wenn der niederschlagsreiche Winter noch nicht eingesetzt hat, kann man gerade nur noch einen Tropfen alle fünf Sekunden zählen. Überlaufendes Wasser versickert sofort im umgebenden Untergrund und kommt womöglich weiter unten in einer anderen Quelle wieder zum Vorschein: in der Nähe des Roque Niquiamo (auch Roque de Mazo genannt), auf etwa 1200 Meter Meereshöhe.

Diese Quelle ist in einer schlecht zugänglichen Höhle und eindeutig ergiebiger als die Taubenquelle oben am Nambroque. Auf dem Grund der Höhle ist eine große Pfütze, in die, deutlich von außen hörbar, Tropfen fallen wie bei einem einsetzenden Platzregen. Die Pfütze versickert sodann im Untergrund, und das Wasser führt weiter nach unten.
         Die Quelle des Roque darf nicht gefaßt und deren Wasser über Rohre irgendwohin geführt werden; außerdem wird in der Umgebung die Baumheide nicht periodisch geschlagen wie sonst überall auf der Insel, sondern wachsen gelassen, denn noch weiter unten bezieht der Ort Mazo einen Teil seines Trinkwassers aus eben dieser Quelle.
         Zumindest nimmt man dies an.

Die Süßwasserversorgung stützte sich nach der Eroberung der Insel durch die Spanier auf Quellen und im Winter gefüllte Zisternen. Besonders im Aridane-Tal führte das zu empfindlichen Wasserknappheiten, besonders wenn der Herbst nahte.
         Deshalb wurde Anfang des 19. Jahrhunderts für diese Region mit einer Wasserleitung von Quellen aus der Caldera de Taburiente in das Aridane-Tal begonnen. Hinter der Cumbrecita, im westlichen Hang der Caldera, wurde ein kleiner Wasserfall gefaßt und dessen Wasser über einen offenen Kanal zu einigen Wasserstellen zunächst in El Paso und weiter zu anderen Wasserstellen in Los Llanos geführt.

Der Kanal bestand weitgehend aus gehauenen Basaltstücken mit den ungefähren Maßen 80x35x50 cm, die seinerzeit in Gran Canaria hergestellt wurden. An machen Stellen konnte der Kanal nicht auf dem Grund geführt werden, sondern mußte brückenartig konstruiert werden.
         In solchen Fällen verwendete man dann Rinnen aus Holz. Diese offenen Kanäle nannte man damals "las canales", und so heißt heute noch die erste, oberste öffentliche Wasserstelle in El Paso. Die Steinabschnitte wurden später, als geschlossene Rohrleitungen eingeführt worden waren, als Schweinetröge verwendet, nachdem beide Enden der Abschnitte zuzementiert worden waren.
         Sie waren schwer genug, daß die Schweine sie nicht umherschieben konnten. Nach und nach wurden die Steintröge durch "moderne", gemauerte Futtertröge ersetzt. Heute sind die alten Steine sehr gesucht als Blumenkübel oder "Schweinetrog-Feuchtbiotope" und werden zuweilen in Antiquitätenläden angeboten; deren Angestellte mögen diese Ware nicht besonders wegen des schon erwähnten respektablen Gewichts.

Galerien
Erst um die Jahrhundertwende begann man systematisch, das Wasser aus Galerien zu beziehen. Galerien sind gewissermaßen waagerechte Brunnen mit einem nach außen leicht abschüssigen Bodenniveau. Seitdem sind auf der Insel an die 60 Galerien gebohrt worden.
         Derzeit werden Neubohrungen nur noch selten genehmigt. Eine Galerie ganz neuer Art ist der derzeit im Bau befindliche Wasserüberführungstunnel unter der Cumbre Nueva hindurch. In ihm soll eines Tages vom wasserreichen Osten Wasser ins Aridane-Tal geleitet werden können.

Auf der Ostseite schüttete der Tunnel nach fast zwei Kilometern Bohrung ungefähr 250 Kubikmeter Wasser pro Minute aus. Die Arbeiten mußten deshalb zeitweise unterbrochen werden; erst nach einem neuen Abkommen mit der verantwortlichen Baufirma konnten sie wieder aufgenommen werden.
         Aber das Wasser fließt weiter und kann gar nicht richtig aufgefangen und genutzt werden. Seitdem grübelt man auf ganz La Palma, ob die beachtliche Wasser-schüttung vorhersehbar oder sogar gewollt war, denn dieses Wasser gehört der Inselregierung, und die hatte zuvor nie eigenes, sogenanntes öffentliches Wasser.

In den 70er Jahren begannen die einzelnen Gemeinden, kommunale Trinkwasser-versorgungen einzuführen.
         Das Wasser dafür kommt wie bei den Privatwasser-beziehern aus Galerien. Große Reservebehälter sind gebaut worden. In ihnen steht das Wasser eine Zeitlang und reinigt sich nicht mehr selbst wie das in den zahlreich auf der Insel umherführenden Rohren der privaten Wassergesellschaften. Das macht eine Desinfektion notwendig.
         Sie geschieht alle paar Wochen, indem in die Wasserbehälter eine Ladung Chlor gekippt wird. Die Tage nach dieser Prozedur können dann für die Bezieher des öffentlichen Wassers unangenehm sein, denn der Chlorgehalt im Wasser ist dann zunächst mal besonders hoch.

Brunnen
Brunnen bohrte man im Wesentlichen erst ab den 60er Jahren hauptsächlich für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Kulturen. Die meisten der Brunnen befinden sich in Küstennähe und reichen bis unter den Meeresspiegel.
         Viele davon förderten einige Jahre nach der Fertigstellung gutes Wasser. Danach drang zur Enttäuschung der Betreiber zunehmend Salzwasser aus dem Meer ein und machte die Brunnen unbrauchbar, so daß sie stillgelegt werden mußten.
         Solche außer Betrieb genommene Brunnen finden sich beispielsweise an der Westküste nördlich von Fuencaliente.

Anderen Brunnen dagegen kann ganzjährig, auch im Herbst, gutes Wasser entnommen werden. Die unteren Brunnen im Barranco de Las Angustias oberhalb des Hafens von Tazcorte gehören zu dieser Kategorie.
         Sie beziehen ihr Wasser allerdings nicht aus der Caldera de Taburiente, wie man meinen könnte, sondern aus dem wasserreichen Untergrund oberhalb von El Paso, obwohl der sich in ziemlicher Entfernung von den Brunnen befindet.

Niederschläge
Alles Süßwasser wird der Insel über Niederschläge zugeführt. Die fallen unterschiedlich auf La Palma verteilt und mit jahreszeitlichen Schwankungen. Hier üblich ist die Unterscheidung zwischen Sommer – wenn es warm ist und nicht regnet – und Winter mit Regen und Kälte.
         Die Begriffe Frühjahr und Herbst sind zwar bekannt, werden aber kaum verwendet. Auf der Ostseite der Insel kommen besonders die feuchten Passatwinde aus Nordost als Regenspender zur Geltung. Sie bedienen hauptsächlich die höchsten Berge der Insel um die Caldera de Taburiente. Weiter nach Süden wird der Einfluß der Passatwinde deutlich schwächer.
         Prinzipiell kann davon ausgegangen werden: Wo Passatwind hinkommt, wächst Baumheide, und wo nicht, wachsen Kiefern.

Der Westen bezieht seine Niederschläge weitgehend von atlantischen Schlecht-wetterfronten im Winter. Wenn die kalt genug sind, schneit es auf den Bergen. Solche Schneefälle sind für die Wasserversorgung La Palmas außerordentlich vorteilhaft.
         Die Niederschläge werden gewissermaßen erst mal gespeichert; sie rufen keine Erosion hervor, können nach und nach beim Schmelzen in den Untergrund eindringen und den Wasservorrat der Insel auffüllen. Vor zwei Jahren hielt sich der Schnee sechs Wochen lang auf dem 2426 Meter hohen Roque de Los Muchachos und auf den Bergen in seiner Umgebung, und man freute sich über das langsame Abtauen.
         Allerdings war es in dieser Zeit empfindlich kühl auf der Insel.

Unterschiede in den Niederschlagsmengen während der einzelnen Winter machen sich nur in auf der Insel geübten Verteilungspraxis durch vermehrte oder verminderte Fördermengen der Galerien und Brunnen bemerkbar.
         Die Geologen wissen genau, daß jahreszeitliche Niederschlagsschwankungen keinen unmittelbaren Einfluß auf die Wasserschüttung haben. Das Wasser braucht sehr lange, bis es von den Bergkämmen in die Galerien auf halber Höhe gelangt.
         Erst mehrere, aufeinanderfolgende regenarme Winter können die Wasser-förderung aufgrund mangelhafter Niederschläge vermindern.

Aus: La Palma Info Nr.l 17 Winter/Frühjahr 2001

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