| Vulkanlandschaften,
dschungelartige Lorbeerwälder, Lavawüsten
und dichte Kiefernwälder: La Palma ist nicht
nur die grünste Insel der Kanaren, sie gibt
auch ein besonders vielfältiges Bild ab.
Wanderer können sich auf der "isla
bonita" austoben: das Wegenetz umfasst rund
1000 Kilometer Länge.

Hinein in
den alten Krater: Der Nationalpark La Caldera
de Taburiente bietet Wanderwege mit schönen
Panoramablicken. Foto: DPA
Wasser tropft von der Decke,
mit jedem Schritt wird es dunkler.
Raquel schaltet ihre Taschenlampe ein und tastet
sich an der Felsmauer entlang. Der Tunnelschacht
wird immer schmaler und tiefer, gebückt geht
es immer weiter ins Reich der Fledermäuse
hinein. Es riecht nach Nässe und Moos, zur
Linken strömt ein kleiner Bach mit eiskaltem
Gebirgswasser durch den Tunnel.
Ab und zu gewähren Löcher in der Wand
Blicke in den Abgrund. Sie wirken wie ein Fenster
zu der immergrünen Außenwelt. Bis zu
50 Meter tief ist die Schlucht. Das Tropfen von
der Tunneldecke nimmt zu und verwandelt sich nach
und nach in kleine Wasserfälle, die im Dunkeln
kaum zu sehen, aber zu spüren sind.
Das Wasser schießt von allen Seiten herab,
schnell zieht sich Raquel eine Regenjacke über.
Dabei ist die Abkühlung eigentlich willkommen:
Immerhin macht die Sonne den Wanderern beim Aufstieg
zu den Quellen des Flusses Marcos y Cordero etwas
zu schaffen. Zwölf Tunnel müssen „durchtastet“
werden, um zu den Quellen zu gelangen. Dazwischen
laden spektakuläre Blicke ins Tal zum Rasten
ein.

Wasserfall
aus der Tunneldecke: Für den Weg zu den Quellen
von Marcos y Cordero ist eine Regenjacke im Rucksack
ganz nützlich. Foto: DPA
Die Landschaft auf La Palma erinnert eher an
einen subtropischen Dschungel als an eine Atlantikinsel
vor der Westküste Afrikas. Wie die anderen
Kanareninseln ist La Palma zwar vulkanischen Ursprungs,
doch hier prägen üppige Wälder,
Drachenbäume, Kiefern, Lorbeerwälder
und Berge von bis zu 2400 Metern Höhe das
Inselinnere.

Kulturell
Interessierte werden sich an Bauten wie dem "Santuario
de Nuestra Senora de las Nieves" bei Santa
Cruz de La Palma erfreuen. Foto: PA/Bildagentur
Huber
Wer Lanzarote und Fuerteventura kennt und nach
La Palma kommt, kann manchmal kaum glauben, dass
die Inseln zum gleichen Archipel gehören.
Meterhohe Farne säumen den Weg, Urwaldriesen
spenden angenehmen Schatten.
An den Quellen wird gerastet, bevor der Abstieg
zum Grund der Schlucht beginnt. An den Steilwänden
hängen gewaltige Wurzeln und Schlingpflanzen.
Langsam verwandelt sich die Landschaft, und die
Wanderer erreichen den Lorbeerwald Los Tilos.
Moose und Riesenfarne überwuchern hier den
Nebelwald, von dem man glauben könnte, hinter
jedem Baum sitze ein Kobold.
Der Märchenwald wurde von der Unesco zum
ersten Biosphärenreservat auf den Kanarischen
Inseln erklärt.

Kleine Dörfer
und Ackerbau auf Terrassen: An vielen Orten der
Insel wird La Palmas vulkanischer Ursprung sichtbar.
Foto: DPA
Die knapp zwölf Kilometer lange Route zu
den Gebirgsquellen von Marcos y Cordero und weiter
zum Lorbeerwald Los Tilos gehört zu den schönsten
Touren auf der Insel. Nicht weniger spektakulär
sind die Wanderungen im Nationalpark La Caldera
de Taburiente. Bei dem Nationalpark, einem Vulkankrater
von rund acht Kilometer Durchmesser, handelt es
sich um eine der faszinierendsten Regionen auf
den Kanaren.

Heimische
Bananen sind viel kleiner, süßer, leckerer
als deutsche Supermarktware. Foto: DPA
Das Wegenetz umfasst hier rund 70 Kilometer.
Im Südwesten ist der riesige mit Kiefern
überzogene Vulkankessel offen. Eine der Wanderungen
mit den wohl schönsten Panoramablicken schlängelt
sich am Kraterrand entlang.
Der anstrengende Weg führt bis zum Roque
de Los Muchachos auf 2426 Meter, dem höchsten
Punkt der Insel. Der Blick schweift von dort tief
in den Krater hinein.

... auf der
internationalen Sternwarte wurde im Sommer 2007
das größte Spiegelteleskop der Welt
in Betrieb genommen. Foto: DPA
Wer noch etwas Kraft hat, sollte unbedingt noch
etwas weitergehen: Nach einem Kilometer gelangt
der Wanderer zur internationalen Sternwarte, auf
der im Sommer 2007 das größte Spiegelteleskop
der Welt in Betrieb genommen wurde.

Gute Aussicht:
Das Observatorium mit dem Carlsberg Meridian Teleskop
auf dem Roque de los Muchachos, ... Foto: PA
Die Außenseite des Kraters ist karg und
steinig. Sträucher und Büsche sind vom
hier immer starken Wind platt gedrückt. Weit
reicht der Blick über den Atlantischen Ozean.
Eine andere schöne Wanderung verläuft
innerhalb des Kraters, und zwar vom Aussichtpunkt
Los Brecitos zum Campingplatz des Parks und auf
dem Rückweg durch die „Schlucht der
Todesängste“ (Barranco de las Angustias)
wieder zum Ausgang.

Zweibeiner
trifft Vierbeiner ... Foto: PA/akg
Von Los Llanos aus fährt zunächst das
Jeep-Taxi bis zu dem Aussichtpunkt in 1200 Metern
Höhe. Dann beginnt ein leichter Abstieg von
knapp zwei Stunden Dauer. Immer wieder sind Blicke
aus dem dichten Kiefernwald in den Krater hinein
möglich. Auf dessen anderer Seite ragt bis
auf 1854 Meter der Pico Bejenado in die Höhe,
zu dem ebenfalls ein spektakulärer Wanderweg
hinaufführt.
Eidechsen und die einheimischen „kanarischen
Tausendfüßler“, die bis zu 20
Zentimeter lang werden, lassen sich unterwegs
beobachten. Kurz vor dem Campingplatz fordert
das Überqueren des Flusses Taburiente höchste
Konzentration, um nicht im eiskalten Gebirgswasser
zu landen – viele Wanderer springen beim
Anblick des klaren Flusses allerdings freiwillig
hinein.
Die meisten Wanderer nutzen die Stunden bis zur
Dämmerung dann aus, um den Kraterrand bis
zu den Quellen von Hoyo Verde hochzusteigen. Die
Wanderung dauert rund zwei Stunden, und wer sie
antritt, muss schon ein wenig schwindelfrei sein.
Doch der Blick von oben auf die Felsen und Wasserfälle
der Cascada de la Fondada dürfte einer der
schönsten auf der Insel sein.
Die Nacht auf dem Zeltplatz im Vulkankrater ist
ein ungewohntes Erlebnis. Frösche quaken
um die Wette, und der Taburiente-Fluss wiegt die
Wanderer mit seinem beruhigenden Rauschen in den
Schlaf. Doch sollte sich niemand zu früh
in seinen Schlafsack verkrümeln. Nicht umsonst
befindet sich oben am Kraterrand die Sternwarte
– der Blick in den sagenhaften Sternenhimmel
ist von hier ein „Muss“. Am folgenden
Morgen heißt es früh aufstehen.
Der Abstieg durch die „Schlucht der Todesängste“
sollte früh angegangen werden, bevor die
Hitze am Nachmittag zu groß wird. Der Weckdienst
startet um 5.00 Uhr in der Frühe. Gefrühstückt
wird unter Kiefern mit Ausblicken auf den oberen
Kraterrand. Um 6.00 Uhr werden die Zelte abgebrochen,
und der anstrengende Weg durch die „Schlucht
der Todesängste“ beginnt.
Die Spanier gaben der Schlucht diesen Namen,
weil sie bei der Eroberung der Kanaren hier vor
den Überfällen der einheimischen Guanchen
zitterten. Der Weg führt durch das Flussbett
mit dicken Felsen. Auf ihm zu gehen, ähnelt
streckenweise eher einer Kletterpartie als einer
Wanderung. Rund fünf Stunden sind angesetzt,
doch der Weg lohnt sich. Das gilt vor allem für
den Abstecher zum „Wasserfall der vielen
Farben“, an dem das Wasser dank vieler Mineralien
und eines hohen Eisengehalts in vielen Tönen
schimmert.

Im äußersten
Süden der Insel: Der Leuchtturm markiert
das Ende der Vulkanwanderroute auf La Palma. Foto:
DPA
Im Süden von La Palma lockt eine ganz andere
Landschaft zu langen Wanderungen: Auf der „Ruta
de los Volcanes“, der Vulkanroute, geht
es vom Zelt- und Picknickplatz Refugio El Pinar
bis auf 1450 Meter Höhe durch eine der aktivsten
Vulkanregionen der Welt. Die Tour verläuft
über den Kamm der Cumbre Vieja, und bei gutem
Wetter ist von hier die Spitze des Teide-Vulkans
auf der Nachbarinsel Teneriffa zu sehen. Kiefernwälder
wechseln sich mit kargen Lavafeldern und vulkanischen
Aschewegen ab. Der Kontrast zum subtropischen
Norden der Insel könnte kaum größer
sein.
Starke Winde wühlen den Sand auf, und kurz
vor dem spektakulär abfallenden „Schwarzen
Krater“ verwandelt sich die Wanderroute
in eine Art Mondlandschaft. Der Weg ist mühsam,
aber gerade wegen seiner menschenfeindlichen Umgebung
spannend.
Vom „Schwarzen Krater“ führt
der insgesamt 30 Kilometer lange Weg bis Fuencaliente
im Süden der Insel. Unterwegs kommt der Wanderer
an den Vulkanen San Antonio und Teneguía
vorbei. Letzterer brach zuletzt 1971 aus und ist
damit der jüngste Vulkan Spaniens überhaupt.
Wer in Fuencaliente noch genug Energie hat, kann
außerdem durch schwarze Lavawüsten
bis zur Südspitze der Insel laufen. Verlaufen
kann man sich nicht – es geht immer geradewegs
auf den Leuchtturm zu. Hier erwartet die müden
Füße dann ein kühles Bad im Atlantischen
Ozean.

Für einen
reinen Badeurlaub eignet sich La Palma nicht (im
Bild der Lavastrand von Puerto Naos). Foto: PA/Bildagentur
Huber
La Palma ist zwar kein Paradies für Strandurlauber.
Die wenigen rabenschwarzen Strände zwischen
der zerklüfteten Steilküste lassen sich
an einer Hand abzählen. Dennoch gibt es einige
gute Plätze zum Baden: Im Osten lockt der
Strand von Los Cancajos, und im Westen gehören
die Strände von Puerto Naos und Tazacorte
zu den schönsten.
aus: www.welt.de
(dpa/heg)
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