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Ökologieprobleme auf der Isla Bonita.
Der Stararchitekt César Manrique war zweifellos einer der berühmtesten Kanarier der jüngeren Vergangenheit. Seine letzten Lebens- und Arbeitsjahre verbrachte er weitgehend auf Lanzarote, seiner Geburtsinsel. Dort begegnet dem Besucher auf Schritt und Tritt das Erbe dieses großen Architekten und Künstlers.
Die Bewohner Lanzarotes sagen unter Außerachtlassen der Schöpfungs-geschichte: César Manrique hat die Insel gemacht.
Besonderes Augenmerk legte Manrique darauf, daß die Werke der Menschen mit dem natürlichen Umfeld auf ästhetische Weise im Einklang standen. Die vielen häßlichen Touristenkomplexe auf den Kanarischen Inseln waren ihm ein stetiger Dorn im Auge, und daraus machte er kein Hehl.
Vor fünf Jahren starb César Manrique mit 73 bei einem Autounfall. Nach seinem Tod wurde eine Stiftung gegründet, die sein künstlerisches Erbe erhalten soll.
Ein nach einem Entwurf des großen Architekten ausgeführtes Groß-Mobile - ganz aus rostfreiem Stahl und 12 Meter hoch sowie sieben Tonnen schwer - wurde in diesem Jahr von Lanzarotes Inselverwaltung anläßlich der Internationalen Tourismusmesse der Stadt Berlin geschenkt und vor dem dortigen Messezentrum aufgestellt.
Noch zu Lebzeiten von César Manrique ergab es sich, daß auf dem Archipel ein von Deutschen gedrehtes Video für Furore sorgte: Es zeigte hauptsächlich die offenbar nur unter ökonomischen Gesichtspunkten hingeklotzten, häßlichen "Betonburgen", in denen die Touristen während ihres Erholungsaufenthaltes auf den Kanarischen Inseln hausen müssen.
Die Kanarische Regierung war sehr verärgert - zumal Kritik aus dem Ausland hier, wie überall auf der Welt, nur ungern vernommen wird - und kündigte die Herausgabe eines "Gegenvideos" an, das auch "die schönen Seiten" der Inseln zeigen sollte.César Manrique wurde in ein Studio des regionalen Fernsehens eingeladen, um auch ihm Gelegenheit zu geben, sich öffentlich über die ausländische Kritik zu äußern.
Zur Überraschung und auch Verärgerung der Veranstalter und Moderatoren der Sendung zeigte sich der Architekt jedoch vollkommen konform mit dem polemischen Video. Es stimme alles, was darin gezeigt werde.
Nichts daran sei irgendwie getürkt oder gefälscht.
Lediglich die unprofessionelle Art, in der das Band aufgemacht war, gab César Manrique Anlaß zur Kritik. Er hätte den Anfang anders gestaltet - beispielsweise. Und den erklärte er dann.
Er hätte zu Beginn, so der Architekt, in Großaufnahme eine Pflanze mit schönen Blüten gezeigt, eine Bouganvilla etwa oder eine große Sonnenblume. Danach wäre er weggezoomt.
Auf der einen Seite wäre alsdann ein Schrottauto aufgetaucht, und danach auf der anderen Seite eine wilde Müllhalde, und schließlich wären im Hintergrund die von dem deutschen Video angeprangerten "Betonburgen" ins Bild gekommen.Und, führte Manrique fort, solche Aufnahmen seien ohne große Schwierigkeiten zu erreichen; die Motive fänden sich allenthalben und auf allen kanarischen Inseln.
Häßlichkeit und Dreck würden in der nahen Zukunft immer öfter anzutreffen sein, wenn nicht von administrativer Seite grundlegende Gegenmaßnahmen getroffen würden.
César Manrique sollte Recht behalten.
Mehr Wohlstand, mehr Konsum, mehr Müll
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, den La Palma nach dem Eintritt Spaniens in die Europäische Union vor elf Jahren erfuhr, wuchs der Konsum und damit die Menge an Müll. Die früher geübte Praxis, Abfall jeder Art in einer für diesen Zweck ausgesuchten Schlucht oder in einem Lavafeld zu entsorgen, war nicht mehr aufrecht zu erhalten.
Deswegen wurde obligatorische Müllabfuhr auf die ganze Insel ausgedehnt. Das hatte es vorher lediglich in den Städten Santa Cruz de La Palma und Los Llanos gegeben.
Die Abfallmengen stiegen unaufhörlich. Drei Müllverbrennungsanlagen wurden deshalb installiert: je eine in Barlovento, in Mazo und in El Paso.
Keine dieser drei Verbrennungsanlagen entspricht den in diesem Zusammenhang aufgestellten Normen der Europäischen Union.
Die Abgasfilter der Verbrennungsanlagen sind nicht ausreichend, wenn überhaupt vorhanden, und die vorgeschriebenen, zur laufenden Messung der ausgehenden Schadstoffmengen notwendigen Einrichtungen fehlen ganz.
Der Müllofen in Mazo ist neuerdings nicht mehr in Betrieb, weil er durch Überlastung zu platzen drohte. Zuvor hatte er jahrelang bei bestimmten Wetterlagen die Anlieger mit Asche bestäubt und eingeräuchert.
Der Abfall des südlichen und mittleren Ostteils der Insel wird deshalb derzeit in die Müllverbrennung von El Paso gebracht und dort eingeäschert. Teilweise wird Abfall auch wieder unbehandelt auf die ursprüngliche Müllhalde nördlich der Hauptstadt abgeladen.
Kritiker dieser Praxis warnen vor der Möglichkeit, daß diese Deponie - durch starke Regenfälle etwa - ins Meer rutschen und die östlichen Strände in unvorstellbarer Weise verschmutzen könnte. Ähnliches war im vergangenen Jahr im galizischen La Coruña in Festlandspanien passiert.
Inselabfallplan
Um gegen diese prekäre palmerische Müllsituation etwas unternehmen zu können, wurde von der Inselverwaltung (Cabildo) ein Plan für die Abfallbehandlung auf der Insel ausgearbeitet. In ihm sind alle Elemente enthalten, die in anderen europäischen Ländern bei der Müllbehandlung seit geraumer Zeit üblich sind:
Mülltrennung -Wiederverwertung -Weiterverarbeitung
Mit dem Glas wurde begonnen; einige Dutzend Abfallglas-Container wurden aufgestellt, in denen die Inselbewohner ihre Einweg-Glasbehälter deponieren können. Das gesammelte Altglas wird nach Teneriffa in eine Glasschmelze gebracht.
Zum Erstaunen der Inselverantwortlichen wurde diese Neuerung von den Palmeros sehr positiv aufgenommen.
Großen Wert legt der Plan auf eine weitgehende Aussortierung des organischen Abfalls. Nicht nur in den Haushalten, sondern auch in den Verpackungsanlagen für die landwirtschaftlichen Produkte fallen große Mengen an organischen Material an.
Das, so sieht der Plan vor, soll zusammen mit dem Baumschnitt aus der Waldpflege zu hochwertigem, in der Landwirtschaft verwendbaren Kompost verarbeitet werden. Versuchskomposthaufen in Mazo wurden angelegt und Experten mit der Untersuchung des gewonnenen Kompost beauftragt.
Eine inselzentrale Aussortierung des organischen Mülls wird verworfen. Zentralsortierende Versuchsanlagen auf den Hauptinseln des Archipels produzieren einen minderwertigen und wegen des hohen Gehalts an Nitrit und anderen Substanzen sogar giftigen Kompost, der für die Landwirtschaft nicht geeignet ist.
Wie die Abfalltrennung geschehen könnte, ist in den Einzelheiten noch nicht geklärt. Hiesige Häuser haben meistens keine Keller, keine Dachböden oder Abstellkammern. Die getrennte Aufbewahrung organischem Müll - wie auch von Altpapier, Altkleidern und so weiter innerhalb eines Haushalts ist deshalb nur für kurze Zeit möglich.
Bei der Wiederverwertung macht sich die "doppelte Insellage" La Palmas problemschaffend bemerkbar. Auf den Kanarischen Inseln gibt es keine recyclende Industrie, mit Ausnahme einer Glasschmelze auf Teneriffa, die das in den Containern gesammelte Material verwerten kann.Altpapier, Altkleider und der zunehmend anfallende Metallschrott - hauptsächlich Autos - müssen zur Wiederverwertung nach Festlandspanien oder noch weiter verschifft werden. Das ist aufwendig und teuer.
Kurzdauernde Kampagnen
Bisweilen werden Kampagnen durchgeführt. Beispielsweise stand vor zwei Jahren eine Woche lang in Los Llanos eine Schrottpresse, zu der jedermann seinen Metallschrott bringen konnte.

Aber viele Leute, die seit Jahren in ihrem Hintergarten ein Schrottauto oder sogar mehrere stehen hatten und sich an diesem Umstand nicht störten, scheuten den Preis für einen Abschleppwagen, der ihre Autowracks zu der Schrottpresse gebracht hätte.
Neuerdings ist auch die Abfallvermeidung im Gespräch. Vor zwei Jahren wurde in dieser Richtung eine Kampagne durchgeführt: Von der Inselverwaltung wurden Stoffbeutel verteilt, um die Bürger zu vermindertem Plastiktütenverbrauch anzuregen.
Die Inangriffnahme dieses Plans zur Müllbehandlung seitens der Inselverwaltung erschöpfte sich nicht nur in der Versuchsanlage zur Kompostierung und der Ausgabe von Stoffbeuteln. Obwohl die Standorte für die verschiedenen Anlagen - Verbrennungsöfen, Kompostierungen an verschiedenen Stellen und Endlagerstätten für verbrannten Abfall und umweltunschädliches Material - noch nicht geklärt sind, wurden bereits Gelder bereitgestellt.
Für die Insel selbst wäre die Kostenbelastung nicht besonders hoch; die Regional- sowie Zentralregierung würden zusammen mit der Europäischen Union den größten Teil der Kosten übernehmen.
Das Abfallproblem ist inzwischen sehr prekär. Die Verbrennungsanlage in Barlovento arbeitet nur noch sporadisch, weil sie von der Europäischen Union verboten worden ist, und die Anlage von El Paso kann nicht den gesamten Inselabfall aufnehmen. Zwar hat sie einen zweiten Ofen bekommen, aber für ihn ist ein Anschluß an das öffentliche Stromnetz erforderlich, der erst noch hergestellt werden muß.
Von Teneriffa zurückgepfiffen
Der Plan ist gut und fortschrittlich, zumal er von einem Experten speziell für die Insel entworfen worden ist. Alles deutet jedoch darauf hin, daß er nicht Wirklichkeit wird. Die Kanarische Regionalregierung hat beschlossen, einen den gesamten Archipel umfassenden Plan zur Abfallbehandlung und -beseitigung auszuarbeiten. In ihm sind Alleingänge einzelner Inseln wie La Palma nicht vorgesehen.
Niemand kann sagen, warum der Abfallplan für La Palma nicht als Modell für alle Kanarischen Inseln gelten soll. Es gibt Leute, die behaupten, die seit langer Zeit bestehende Rivaltät zwischen La Palma und Teneriffa habe irgendwie damit zu tun.
Es ist auch die Meinung zu hören, daß der kürzlich erfolgte Regierungswechsel in der palmerischen Inselverwaltung die Ausführung des Plans vereitelt habe.
Die Ausarbeitung eines Kanarischen Abfallplans kann also noch lange dauern, zumal derzeit auch die Regierungskoalition der Kanarischen Regierung auf wackeligen Füßen steht.
So lange wollen die Mitglieder einiger neu gebildeter Bürgerinitiativen nicht warten. Hauptanliegen der Initiativen ist, daß einerseits durch Sensibilisierung der Bevölkerung in Müllfragen, andererseits durch Aktionen wie Unterschriftensammlungen und Verschicken von Massen-Protestschreiben an die Inselregierung auf letztere Druck ausgeübt wird.
Bei den Initiativen meint man, daß die Inselverwaltung dem Problem gegenüber nicht genügend aufgeschlossen gegenübersteht und es auf die lange Bank schiebt.
Die Zeit drängt: 80 Tonnen Abfall täglich müssen inzwischen in irgendeiner Weise entsorgt werden - Schrottautos noch gar nicht mitgerechnet.
Aus: La Palma Info Nr. 11 Winter/Frühjahr 1998 |