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Zweiter Stapellauf des Postschiffs "La Palma"

Aus: Inseltagebuch von Mathias Siebold 15.06.08

Der erste Stapellauf fand 1912 statt, im gleichen Jahr, als die Titanic diese unschöne Begegnung mit einem Eisberg hatte.
Dieses Schicksal blieb dem "Correíllo La Palma" erspart, nach mehr als 20 Jahren im Trockendock wurde das Dampfschiff am Freitagabend im Hafen von Santa Cruz de Tenerife wieder seinem wirklichen Element übergeben.
         Allerdings ist das nur der erste Teil der Wiederherstellung, es gibt noch viel zu tun, sowohl die Maschine, als auch die komplette Inneneinrichtung müssen noch restauriert werden.

Später, das soll dann etwa in zwei Jahren so weit sein, kann das Schiff dann als schwimmendes Museum, Bibliothek und Kulturstätte dienen, so liest man es aus den vielen Zeilen heraus, welche über den zweiten Stapellauf der "La Palma" berichten.
Ob man damit dann auch eine historische Kreuzfahrt zwischen den Kanareninseln unternehmen kann, also in die historischen Routen des ehemaligen Post- und Fährschiffes, das ist nicht so ganz klar. So hatte ich das ursprünglich mal verstanden, warum man nun andere Pläne verfolgt, das kann ich nicht erklären.
         Ist auch nicht so wichtig, auf jeden Fall ist es eine wunderbare Erfahrung, dieses Stück Geschichte der Kanarischen Inseln nach langem Kampf doch noch vor der Verschrottung bewahrt zu haben.

Hauptträger der Restaurierung des Schiffes ist die "Asociación pro Restauración y Conservación del Correíllo La Palma", die nach anfänglichen Schwierigkeiten nach und nach auch Unterstützung von allen Inselregierungen bekam, um das gewaltige Vorhaben, diesen Kahn wider flott zu machen, auch stemmen zu können.
Fünf weitere Postschiffe dieses Kalibers fuhren bis knapp an die 80er Jahre zwischen den Kanarischen Inseln, nur das eine konnte gerettet werden und das war ausgerechnet die "La Palma".

Von 1912 bis 1976 fuhr die La Palma, erst mit Kohlen befeuert, später auf Schweröl umgestellt zwischen den Inseln und transportierte Menschen, Post, Hühner, Nachrichten und alles, was schnell von einer Insel zur anderen musste.
Im ersten Weltkrieg gab es für die La Palma Pause, die Kohlen waren knapp.
         Während des Bürgerkrieges wurden alle 6 Postschiffe unter die Nationalflagge gestellt und mussten als bewaffnete Truppentransporter Francos Soldaten vom afrikanischen Kontinent nach Vigo schippern.
         1938 konnte man dann wieder den Postdienst aufnehmen, der bis 1976 andauerte und nun von moderneren Schiffen der Trasmediterránea durchgeführt wurde.

Der Abwrackung entging die La Palma durch den glücklichen Umstand, dass eine gewisse Familie Flick das Schiff kaufte und daraus ein schwimmendes Restaurant machen wollte.
Dazu kam es nie, irgendwann geht allen das Geld aus und es gab wohl heftige Schwierigkeiten mit den Genehmigungen. Die Familie Flick schenkte aber 10 Jahre später das Schiff der Regierung von Tenerife und seit dem liegt der bemerkenswerte "Historienfrachter" dort und wartete auf seine Reanimation, die nun endlich so weit geglückt ist, dass sich das Schiff wieder im Wasser befindet.
         Ein kleines Histörchen noch, 1934 brachte die La Palma das erste elektrische Licht nach Fuerteventura. In Puerto de Cabras spannte man vom Schiff aus ein Kabel ins nahe "Casino" und konnte nun das erste Mal überhaupt die "Fiesta del Rosario" gut beleuchtet die ganze Nacht durchfeiern.

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