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GUANCHEN
Aufbereitung einer Guanchensiedlung

Lange Zeit hatte man hierzuinsel mit dem Wissen um die Ureinwohner auf La Palma, gemeinhin Guanchen genannt, nicht viel im Sinn.
Vor 500 Jahren, nach der Conquista, war viel Mühe darauf verwendet worden, die Spuren der Guanchen so gut wie möglich zu verwischen. Deren Sprache wurde fast völlig vom Spanisch verdrängt, und das fiel um so leichter, als die Guanchen keine Schrift kannten. Deshalb sind heute nur einige Dutzend Wörter der von den Guanchen benutzten Sprache bekannt.
         Reste von Siedlungen und die berühmten Felszeichnungen mit den unentzifferbaren Spiralmustern blieben zwar weitgehend erhalten, erfuhren jedoch keine besondere Behandlung zur Erhaltung für die Nachwelt.

Seit etwa 15 Jahren ist das anders. Kindern werden vielfach überlieferte Guanchennamen gegeben, und es wird archäologisch gesucht, gefunden und erhalten. Zwar könnte in der Richtung noch viel mehr geschehen, aber die Archäologie macht eigentlich erst mal nur Kosten.
         Mit der Einführung des Tourismus auf der Insel könnten indes diese Kosten auch von wirtschaftlichem Nutzen gefolgt werden. Was früher war, interessiert die Mehrzahl der Inselbesucher, und die sollen schließlich so zahlreich wie möglich einfallen.

Vielleicht hat dieser Aspekt mit dafür gesorgt, daß in diesen Tagen oben in den Bergen, in der Nähe des Refugio El Pilar, eine alte Guanchensiedlung wiederaufbereitet wird. 30 bis 40 Steinhütten beziehungsweise, was von ihnen noch vorhanden ist, werden von dicken Schichten trockener Kiefernnadel befreit und auf diese Weise sichtbar gemacht.
         Die Bauten sind allesamt recht klein. Sie dienten vermutlich lediglich zum Schlafen und als Unterschlupf bei schlechtem Wetter. Mehr als zwei Personen fanden darin nicht Platz. Gemacht sind die Hütten aus Natursteinen ohne Verwendung von irgendwelchem Mörtel.

Die Palma-Guanchen lebten, wo immer es die Gegebenheiten zuließen, vorwiegend in Höhlen. Warum deshalb in der verhältnismäßig hohen Lage mit geringem Höhlenvorkommen diese Siedlung angelegt wurde, ist nur zu vermuten. Möglicherweise benutzten die Ureinwohner diese Hütten nur zeitweise im Jahr, nämlich dann, wenn sie des Sommers ihre Ziegen in den Wäldern weiden ließen.
         Denn in den Wintermonaten hätten es die Guanchen dort oben vor Kälte und Nässe kaum ausgehalten und die Ziegen auch nicht.

Die Inselverwaltung als für archäologische Funde verantwortliche Behörde plant nun, nach der derzeit stattfindenden "Putzete" und Bestandsaufnahme die ehemalige Siedlung für Besucher zugänglich zu machen.
         Mindestens eine der Hütten möchte man in den Originalzustand zurückversetzen, oder was man dafür hält, und Schautafeln sollen für Information sorgen.

Die Siedlung wurde, heißt es, 1993 entdeckt und danach unter Denkmalschutz gestellt. Allerdings waren die alten Gemäuer bestimmt schon all jenen wohlbekannt, die in früheren Zeiten in der Gegend zu tun hatten. Auch werden in der Zeit nach der Eroberung der Insel manche Leute die Hütten benutzt und für ihre Zwecke erhalten haben – Köhler, Holzsammler und so weiter.
         Nur kamen die nicht auf den Gedanken, daß sie sozusagen historische Gemäuer als Unterkunft gewählt hatten. Und was bereits zusammengefallen war, ging jederzeit als ein ohne menschliches Zutun entstandener Steinhaufen durch.

Aus: Correo del Valle vom 08.09.2000

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