Der oberste palmerische Archäologe, Jorge País, freut sich, daß sich seit zwei Wochen im Inselmuseum neue interessante Fundstücke aus der Zeit der Ureinwohner, der Guanchen, befinden.
Es handelt sich um fast 600 Stücke, in der Mehrzahl um Scherben von Keramikgefäßen.
Manche dieser mit Bandornamenten versehenen Bruchstücke sind von selten zu beobachtenden Ausmaßen, und viele gehörten einmal zum selben Gefäß. Jorge País konnte die Fundstücke mühelos den einzelnen Zeitepochen zuordnen, in welche die Archäologen das Leben der Guanchen einteilen. Manche der Stücke sind an die 2500 Jahre alt, jüngere datieren aus der Zeit vor nur 500 Jahren.
Außer den Scherben sind noch eine Reihe von Faustkeilen vorhanden sowie bearbeitete Schalen von Napfschnecken (lapas). Letztere benutzten die Guanchen zum Schaben und zu anderen ähnlichen Arbeiten.
Der Archäologe weiß jedoch nicht, wo die Stücke gefunden worden sind. Sie tauchten in einer Bananenplantage in Argual auf. Jemand fand sie dort, in mehrere Tüten und in einen Karton verpackt, halb versteckt unter trockenem Bananenlaub und sorgte dafür, daß sie der Inselregierung zugestellt wurden.
Ein bekritzelter Zettel bei den Stücken soll wohl für Aufschluß auf den Fundort sorgen, kann jedoch wegen zu geringer Aussagekraft zu der Lösung des Problems nicht beitragen, jedenfalls bei dem derzeitigen Stand der Dinge.
Deshalb weiß Jorge País auch nicht, ob die Fundstücke alle von demselben Fundort stammen; wenn sie allerdings insgesamt an einer einzigen Stelle aufgetaucht wären, müßte der Fundort als sehr interessant eingestuft werden.
Deshalb hat der Archäologe öffentlich den Plünderer aufgefordert, den Fundort mitzuteilen. Das könne auch anonym geschehen, denn er, Jorge País, sei nicht daran interessiert, daß die Plünderei bestraft werde wie vom Gesetz vorgeschrieben. Ansonsten müsse er dem unbekannten Finder eine gewisse archäologische Sachkenntnis bescheinigen; davon zeuge die Auswahl und gute Erhaltung der Stücke.
Aus: Correo del Valle vom 26.01.2001 |