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Sie laufen mühelos die Wand hoch oder kleben an der Zimmerdecke: Für Geckos, die kleinen Eidechsen, scheint die Schwerkraft nicht zu existieren.
Nun haben US-Forscher entdeckt, daß die Haftfähigkeit der behenden Akrobaten durch atomare Anziehungskraft zustande kommt.

Schon fast ein Jahrhundert rätseln Biologen, warum ein Gecko selbst auf poliertem Glas mühelos haftet: Weder Saugnäpfe noch eine Art Klebstoff sind zu entdecken.
Stattdessen trägt jeder Gecko-Fuß ungefähr eine halbe Million feiner Härchen, die wiederum in bis zu 1000 kleinere Fortsätze verzweigen.
Die Forscher haben jetzt die Haftfähigkeit der einzelnen Härchen an einem Sensor unter dem Mikroskop untersucht. Diese haften sogar zehnmal besser, als man bisher durch Untersuchung des ganzen Fußes angenommen hatte. Wenn alle Haare aller vier Füße optimal andocken würden, dann könnte die Echse eine Haftkraft entwicklen, die einer Last von 40 Kilogramm entspricht.
Eine solche Leistung läßt sich nur durch atomare Wechselwirkung erklären: Die Atome aus Fuß und Wand verbinden sich vorübergehend duch winzige Anziehungskräfte, die Van-der-Waals-Kräfte.
Diese können nur auftreten, wenn die Teilchen sich extrem nahe kommen: Der Abstand zwischen ihnen darf nicht größer sein als die Atome selbst.
Der Gecko läuft demnach direkt auf der atomaren Struktur der Wand, mit Hilfe von Milliarden feinster Fortsätze, die sich dem Gemäuer anpassen. Um den Fuß wieder zu lösen, werden die Härchen bei einem bestimmten Winkel "abgeschält" so, als würde ein Klebeband abgezogen.
Die Perfektion eines Gecko-Fußes läßt
sich mittels Ingenieurkunst wohl kaum erreichen,
doch könnte sie Anregungen für die Entwicklung
neuer Klebestoffe mit Super-Haftkraft geben.
Aus: Süddeutsche Zeitung vom 13.06.2000 |