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¡ Viva la Virgen !

Einträge aus dem Inseltagebuch (www.la-palma-aktuell.de) von Matias Sieboldt vor und nach der Bajada, die nur alle drei Jahre in El Paso stattfindet...

Jetzt geht´s looos | Sonntag 20.08.06 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas

Ganz wichtig, Hut dabei haben, Rucksack mit reichlich Wasser bestücken, die Kamerabatterien bis zum Anschlag aufladen und das Auto zuhause lassen.
Die Romería ruft und nur wer taub oder menschenscheu ist oder Probleme damit hat, dass andere Menschen sich ausschweifend freuen können, der darf heute zuhause bleiben, ist vielleicht dann auch besser so.
         Drei Wochen Rahmenprogramm haben wir bereits hinter uns, aber das ist alles nur Beiwerk zu dem, was heute auf dem Programm steht. Der Zug der vielen tausend fröhlicher Menschen von der Wallfahrtskirche "Eremita de Nuestra Señora de El Pino" in den neuen Ortskern von El Paso ist der absolute gesellschaftliche Höhepunkt in unserer Stadt, noch angereichert durch den Umstand, dass dieses Fest nur alle drei Jahre so aufwendig gefeiert wird.
         In den beiden Jahren dazwischen feiert man an der Wallfahrtskirche, lässt die Jungfrau aber in ihrer gewohnten Umgebung, vielleicht auch aus Selbstschutz, ein solch gigantischer Aufmarsch mit so vielen Menschen ist nicht jedes Jahr zu verkraften, auch finanziell nicht.

Das ist ein Thema welches man, sogar im stillschweigenden Einvernehmen mit der Opposition, besser undiskutiert lässt, es grenzt an Blasphemie nach den Kosten solcher Veranstaltungen zu fragen oder diese zu kritisieren.
         Ich will es auch nicht wissen, das verdirbt einem nur den Spaß an der Freude und damit den Sinn eines solchen Festes.
         Ganz im Gegensatz zu den, oft dunklen und schweigsamen religiösen Festen um Ostern herum, ist die Romería in El Paso zwar auch religiösen Ursprungs, aber schon bei der Bezeichnung Romería zeigt sich der Unterschied zu vielen anderen "Bajadas" (die lokale Schutzpatronin steigt zu den Menschen herab), hier in El Paso steht die Freude und Feierlaune der Menschen im Vordergrund und nicht religiöse Devotion.
         Abgesehen davon, dass Weihwasser nicht ätzend ist, wie es uns manche Zeitgenossen vormachen wollen, um an diesem Fest teilhaben zu wollen, bedarf es keinerlei religiöser Zugehörigkeiten oder gar Glaubensbekenntnisse. Religion und Dogmen besitzen, zumindest bei uns in El Paso, keinerlei Urheberrechte auf gemeinschaftliches Feiern und in Gruppen erlebter Freude. Feiern und feiern lassen, so war das immer in El Paso und so kann es weiter gehen.
         Heute Abend gibt es keinen weiteren Eintrag, wie denn auch...

¡ Viva la Virgen ! | Montag 21.08.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas

Leider hat eines nicht sonderlich gut geklappt, die Webcams, etwa 20 an der Zahl waren nur schlecht, oder gar nicht zu erreichen.
Da darf man noch mal nachfragen, weil Technik grundsätzlich funktionieren kann.
         Das war auch schon die einzige Kritik, ansonsten hat alles wunderbar funktioniert, man musste sogar eine künstliche Verspätung einbauen um die Statue der "Nuestra Señora de El Pino" nicht wieder grausam pünktlich im Ort eintreffen zu lassen.
         Ab 12:00 Uhr gab es Shuttlebusse aus dem Stadtkern zu den "Hotspots" der Romería, wer versuchte mit dem eigenen Auto dorthin zu gelangen, der hatte einfach selber Schuld. - Es hat ja nicht jeder das ausgesprochene Glück in El Paso zu leben, von den 20 bis 25 Tausend Besuchern der Romería musste die Großzahl ja irgendwie zu uns kommen, gegen Abend standen die Autos vom Besucherzentrum bis runter nach Tajuya am Straßenrand geparkt, die paar erschreckten fahrenden Verkehrsteilnehmer, die nicht auf die Romería wollten kamen nur noch im Schritttempo voran, das wird den Autobahnbefürwortern endlich ein Argument zuspielen.

Als die Jungfrau in den Ort einzog, waren die letzten "Carrozas" noch bei "Cruz de Canales", der Umzugstross war genau so lang wie die gesamte Strecke, immerhin 5 Kilometer.
- Bei den Umzugswagen ist die Phantasie der Leute deutlich zu spüren, obwohl es dort auch eine Mehrklassengesellschaft gibt. So haben manche ortsansässige Firmen große Karossen gebaut, die in perfekter Ausführung natürlich die Potenz des Gewerbebetriebes widerspiegeln soll und manch kleiner Freundeskreis hat nur einen Einkaufswagen dezent geschmückt und zieht damit genau so fröhlich hinter der Jungfrau her, als die Turbodiesel angetriebenen Monsterwagen.
         Die Wagen sind deshalb so wichtig, weil kein Mensch die vielen notwendigen Getränke und das viele Essen so weit und so lange schleppen kann und die beiden Supermärkte im Ort werden morgen Leute ausschicken müssen, um ihren Bestand an Einkaufswagen wieder aufzufüllen.
         Im Ort selbst versuchten manche Kneipen das Geschäft ihres Lebens zu machen und hatten Tresen auch außerhalb aufgestellt, andere erst gar nicht aufgemacht, diese Wirte gehören zu der erfahrenen Generation, man kann an solchen Abenden nicht wirklich mehr von der Möglichkeit anspruchsvoller Gastronomie sprechen. - Darum geht es aber auch gar nicht, sondern die Leute sollen feiern und sich zusammen freuen und das hat bis in die frühen Morgenstunden friedlich ausschweifend und bestens funktioniert.

Text / Bild: la-palma-aktuell.de / Matias Sieboldt

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