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BAUEN
Die "neuen" Baumaterialien
Europäischer Standard hält auch im Bereich der Baumaterialien Einzug auf La Palma. Bei alledem nicht vergessen: Qualität fordert ihren Preis.

Nach Jahrzehnten der Billigbauweise, die durch die hauptsächliche Verwendung von Bims-Hohlbausteinen (bloques), Zementmörtel und Asphaltbahnen gekennzeichnet waren, etablieren sich in letzter Zeit modernere, gesündere und zuverlässigere Produkte auf dem palmerischen Markt.
         Dies liegt zum einen an den allfälligen Bauschäden, die bei ausschließlicher Verwendung der traditionellen Materialien kaum vermeidbar sind und die jeder Hausbesitzer aus eigener Erfahrung kennt, zum anderen an der spanischen Gesetzgebung, die sich mit Riesenschritten den europäischen bzw. deutschen Normen annähert.
         Es ist sogar ein Gesetz zur Qualitätssicherung bei Neubauten in der Entstehung, das genau die «wo und wann zu verwendenden» Materialien regeln soll.

Bei den bestehenden Häusern können wir grundsätzlich drei Typen unterscheiden, die jeweils ihre eigenen Probleme haben:

         1. die ca. 80–300 Jahre alten Häuser in Naturstein- oder Ziegel-Massivbauweise
         mit Holzbalkendecken
         2. die Pajeros in Natursteinbauweise
         3. die neueren Häuser in (Hohl-) Bloquesbauweise, oft mit Stahlbetonskelett.


Das Problem Feuchtigkeit

Fast alle Bauprobleme haben auf La Palma mit Feuchtigkeit und deren Folgeerscheinungen zu tun.

Daher unterscheiden wir:
         Feuchtigkeit, die durch undichte Dächer eindringt;
         Feuchtigkeit, die durch undichte Wände eindringt;
         Feuchtigkeit, die kapillar im Mauerwerk aufsteigt;
         drückendes Wasser im Bereich der Schwimmbäder und Tanks.
         Elektrochemische Korrosion

Grundsätzlich ist an dieser Stelle anzumerken, daß gemäss dem allgemein anerkannten obersten Grundsatz beim Bauen jedes Bauwerk gegen Feuchtigkeit zu schützen ist. Es ist ein fataler Irrtum zu glauben, ein Bauteil, der regelmäßig feucht wird und danach mehr oder minder schnell trocknet, wäre «gesund» – weil atmungsaktiv.
         Das Gegenteil ist der Fall, da fast alle mineralischen Baustoffe Salze enthalten, insbesondere auch Zement. Diese Salze entwickeln ihre großen Folgeschäden aber erst bei Kontakt mit Feuchtigkeit durch den Kristallisationsprozeß, der als Ausblühen bekannt ist. Trockene Salze in einer trockenen Wand verursachen also keine Schäden, sie bleiben «inaktiviert».
         Es sei erwähnt, daß das uralte Baumaterial Lehm bzw. Ton kaum Salze enthält und daher nicht zu Ausblühungen neigt. Die Erfahrungen und Methoden beim Lehmbau können aber keinesfalls auf Bauten mit zementhaltigen Baustoffen (Beton, bloques, Zementputz) übertragen werden.

Die Folgeerscheinungen feuchter Häuser sind:
         Farbablösungen, Moos, Schimmel, "Rheumaklima", Allergien, und bei
         konventionellen kanarischen Neubauten Ausblühungen.

Nicht zu verwechseln mit der Dichtigkeit eines Bauteils gegenüber eindringendem Wasser ist dessen Durchlässigkeit gegenüber Wasserdampf. Diese ist sehr wohl erwünscht und erforderlich, um ein gesundes und angenehmes Raumklima zu erhalten.
         Wir erinnern uns an die ersten Isolierglasfenster in Deutschland, deren Einbau in alte Gebäude zur Folge hatte, daß die seinerzeit vom Architekten geplante Ventilation unterbunden und der Wärmehaushalt in den Räumen völlig verschoben wurde (die Raumfeuchtigkeit kondensierte nicht mehr an der Fensterscheibe aus Einfachglas); es kam in der Folge zu Schimmelpilzbildung an den Innenseiten von Außenwänden (Stichwort: Taupunktverschiebung) und stickiger/muffiger Atmosphäre.          Daraufhin «durfte» der geschädigte Hausbesitzer dann die Fassaden wärmeisolieren und/oder musste Zwangsbelüftungen einbauen.

Viel Verwirrung entsteht bezüglich des Begriffs atmungsaktiv oder diffusionsoffen. Gemeint ist immer wasserdampfdurchlässig. Es ist bekannt, daß ein feuchtes Raumklima nicht gesundheitsfördernd ist. Der in den Räumen durch Bewohner und Aktivitäten wie Kochen erzeugte Wasserdampf soll also möglichst rasch «verschwinden», sich jedenfalls nicht an den Innenflächen als Kondensat niederschlagen; das wären nämlich die besten Entstehungs- und Lebensbedingungen für Schimmel.
         Wie schön wäre es also, wenn dieser Wasserdampf durch die Wände und Decken hindurch diffundieren könnte. Tatsächlich gibt es ein Baumaterial, das diese Eigenschaft aufweist: Kalksandstein (nicht auf den Kanaren zu haben) und stark kalkhaltiger Putz. Insbesondere Beton, Bloques und Zementputz haben eine so geringe Durchlässigkeit gegenüber Wasserdampf, daß nur von diffusionsdicht gesprochen werden kann.
         Ist eine Wand aber aufgrund der verwendeten Baustoffe sowieso dicht, nützt eine diffusionsoffene Farbe auch nichts mehr zur Verbesserung des Raumklimas. Nichtsdestoweniger kann eine stark wasserdampfdurchlässige Farbe auf undurchlässigem Zementputz sehr wohl bei einer Sanierung in Betracht kommen, wenn nämlich die Feuchtigkeit aus einer nassen Wand heraus kommen soll; dies ist dann der umgekehrte Weg.

Wenn also der Wandbaustoff selbst die überschüssige Feuchtigkeit aus den Innenräumen nicht aufnehmen oder durchlassen kann, bleiben nur noch die Putzschicht der Innenwandflächen und eventuelle Wandbeläge übrig, um einen Feuchtigkeitspuffer zu schaffen. Gips- und Kalkputz kann wesentlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Zementputz, deswegen sollte er in Innenräumen verwendet werden. Eine besonders gute ausgleichende Eigenschaft haben auch Papiertapeten, z.B. die gute alte Rauhfaser.

Geradezu katastrophale Folgen hat das Eindringen von übermäßiger Feuchtigkeit in Holzbauteile, mit anderen Worten in Dachstuhl oder Einbauschränke. Ab einer relativen Holzfeuchte von ca. 18% finden pflanzliche und tierische Schädlinge beste Lebensbedingungen. Umgekehrt wird ein trockenes Holzbauteil (ca. 12% Feuchte) praktisch nie von Schädlingen befallen.
         Dazu kommen die mechanischen Probleme mit dem Quellen, Schrumpfen, Verziehen und Verwerfen von Holz, das abwechselnd trocken und feucht ist. Für den Baustoff Holz gilt daher, daß er grundsätzlich trocken zu halten ist und wenn dies nicht immer möglich sein sollte (z.B. belüfteter Dachstuhl in Nebelgebieten), dann muß das Holz imprägniert werden, damit es einen wasserdampfdurchlässigen Schutz gegen übermäßige Aufnahme von Feuchtigkeit bekommt. Zu diesem Zweck kommen nur Dünnschichtlasuren in Betracht und keine Lacke, da diese nicht wasserdampfdurchlässig sind und durch den Wasserdampfdruck, der im Holz entsteht und sich seinen Weg nach außen sucht, zum Abplatzen neigen.
         Ein «Mittelding» sind Dickschichtlasuren, die bei stark schlagregenbeanspruchten Bauteilen wie z.B. Fenstern ihre Berechtigung haben können, jedoch wesentlich wasserdampfundurchlässiger sind als Dünnschichtlasuren.

Ein oft erheblich unterschätzter Punkt ist die Austrocknungszeit feuchten Mauerwerks. Hier spielt es keine Rolle, auf welchem Wege die Feuchtigkeit eingedrungen ist.

Als Regel gilt:
         – leichte Durchfeuchtungen kapillaren Ursprungs benötigen mindestens 6
         Monate zum Austrocknen
         – starke Durchfeuchtungen wie undichtes Dach oder Wasserrohrbruch ca. 12
         Monate

Erst nach vollständiger Austrocknung einer sanierten Wand kann erfolgversprechend gestrichen werden (Ausnahme siehe weiter unten).

Nach diesen Vorbemerkungen hier nun ein kurzer und daher zwangsläufig unvollständiger Überblick der „neuen" Materialien und was sie für den Bau eines gesunden Hauses leisten können.


Feuchtigkeit, die durch undichte Dächer eindringt

Flachdach (Bitumen-Kautschuk-Bahn – alternative Abdichtung – Dichtungsschlämme)

Das Dach eines Hauses ist immer der Bauteil, der sich am meisten bewegt. Daher sind dort die meisten Risse anzutreffen. Beschichtet man ein rissgefährdetes Flachdach nun mit harten, unflexiblen Materialien wie Beton, pflanzen sich die Risse in kurzer Zeit nach oben fort (sog. Reflexionsrisse).
         Die herkömmliche Asphaltbahn hat nur eine sehr kurze Lebensdauer und versprödet mit der Zeit, Polyesterbeschichtungen lösen sich gerne von Beton durch chemische Reaktion ab.

Zur Lösung dieses Problems sind vor ca. 20 Jahren Bitumen-Kautschuk-Bahnen mit Polyethylen-Schutzfolie entwickelt worden. Diese selbstklebenden Bahnen vereinen alle wesentlichen Eigenschaften, die für diesen Anwendungszweck gefordert werden: dauerhafte Elastizität, absolute Wasserdichtheit, Unempfindlichkeit gegen kleine Verletzungen (selbstschweißend), Unempfindlichkeit gegen die Alkalität des frischen Betons.
         Diese Bahnen kommen auf dem Rohbetondach unter dem Ausgleichstrich zum Einsatz.

Soll das Dach gefliest werden, empfiehlt sich die «alternative Abdichtung». Dies ist ein zweikomponentiger Flüssiggummi speziell unter Fliesen, der optimale Dichtigkeit bei gleichzeitiger Haftung des Fliesenklebers garantiert.

Darüber hinaus gibt es eine Anzahl von Dachdichtungsbahnen auf Basis PVC, Polyethylen und EPDM, die alle den Nachteil haben, daß sie nicht vollflächig mit dem Untergrund verklebt werden und daher bei kleinsten Schäden von Wasser unterlaufen werden können.
         Einige Materialien haben sehr große Probleme mit den auf der Baustelle hergestellten Nähten, andere vertragen keinen frischen Mörtel oder Beton. Alle Kunststoffbahnen werden früher oder später von UV-Strahlen zerstört.

Nur bei absolut nicht gerissenen Dächern empfiehlt sich eine Beschichtung mit Dichtungsschlämmen, doch vorzugsweise mit der flexiblen Variante.


Kanarisches Dach
(Unterspannbahn, offenporige Wärmedämmung)

Schon die alten Kanarier wussten, daß ein gesundes Raumklima nur erzielt werden kann, wenn ein wohldefinierter Luftaustausch ohne Durchzugserscheinungen stattfindet. Allerdings entweicht mit der verbrauchten Luft auch ein Teil der Raumwärme. Die diversen deutschen Wärmeschutzverordnungen haben diesen Widerspruch dermaßen auf die Spitze getrieben, daß oft überhaupt kein Luftaustausch mehr stattfindet.
         Hier gilt es also, den gesunden Mittelweg zu finden, und der heißt: absolute Wasserdichtigkeit, aber gute Wasserdampfdurchlässigkeit.

Asphaltbahnen sind für die Abdichtung eines kanarischen Holzdaches daher die denkbar schlechteste Alternative (auch wegen der Schadstoff- und Geruchsbelastung und der – bei Aufschweißen der Bahnen – oberseitigen Versiegelung des Holzes, das dann nicht mehr wasserdampfdurchlässig ist, siehe oben), ebenfalls Bitumen-Kautschuk-Bahnen, PVC und ähnliches.
         Das spezielle Produkt für diesen Anwendungszweck sind offenporige Unterspannbahnen. Aufgrund der thermischen Verhältnisse auf La Palma sollten es auch keine Dampfbremsbahnen sein, wenn die richtige Wärmedämmung gewählt wird.
         Eine Dampfbremsbahn könnte zusätzlich (nicht alternativ) eingebaut werden, wenn sich das Haus auf dem Teide befindet und mit Außentemperaturen um oder unter dem Nullpunkt gerechnet werden muß.

Wenn eine Wärmedämmung gewünscht wird, gelten die gleichen Forderungen an das Material wie für die Abdichtungsbahn. Hier bewährt sich die gute, alte «Sauerkrautplatte». In keinem Fall sind für diesen Anwendungszweck Styropor oder Hartschaumplatten geeignet, wenn sie nicht hinterlüftet werden; letztere scheiden darüber hinaus noch wegen ihrer hohen Schadstoffbelastung aus.
         Kork ist nicht ausreichend wasserdampfdurchlässig (siehe Weinkorken). Glas- und Steinwolle sowie Hanf sind sehr weich und benötigen eine spezielle Tragkonstruktion und müssen vor allem wasserfest imprägniert sein (chemische Belastung).

Ein beliebter Fehler ist die Ausbildung der Konstruktion: die Abdichtungsbahn muß immer mit genügend Gefälle über die Mauerkrone hinweg nach außen geführt werden, sonst läuft das Wasser von oben in die Mauer und produziert Ausblühungen im oberen Drittel der Innenwand.


Feuchtigkeit, die durch undichte Wände eindringt
(Poroton, Putzfasern, Drainage, Vliese, Farben)

Wer kennt nicht die schön gleichmäßig gerissenen bloques-Fassaden und die Farben, die abkreiden (weiße Hand, wenn man über die Farbe reibt). Die für Industriebauten und Hochhäuser adäquate Betonskelettbauweise ist auf La Palma immer noch im Wohnungsbau vorherrschend.
         Leider bewegt sich ein Betonskelett z.B. unter Windlast völlig anders als die Ausfachung aus bloques. Die beiden Teile stoßen dann aneinander und der schwächere gibt nach: die Ausfachung.
         Oft ist auch die handwerkliche Qualität der Ausmauerung unzureichend und der Putz zu hart.

Grundsätzlich muß festgestellt werden, daß der landesübliche bloque (Bims-Hohlziegel) zu weich ist, um als alleiniger Wandbildner zugelassen zu sein, daher das Betonskelett. Darüber hinaus hat er miserable thermische (Wärmedämmung) und akustische (Schalldämmung) Eigenschaften. Durch seine großen Kapillaren saugt er Wasser förmlich an.
         Im Hinblick auf ein gesundes Wohnklima ist er also recht ungeeignet. Dabei gibt es seit Jahren eine spanische Version des deutschen Poroton-Ziegels namens termoarcilla, der alle diese Nachteile verhindert. Man kann damit Häuser auf La Palma bis zwei Stockwerke ohne Betonskelett bauen und erhält ein natürliches, gesundes Raumklima, bedingt durch den ökologisch unbedenklichen Grundstoff Ton.
         Durch seine wesentlich höhere Stabilität setzt er einem eventuell vorhandenen Betonskelett erheblich mehr Widerstand entgegen und ist somit deutlich weniger rissempfindlich.
         Auch dieser Baustoff ist allerdings genau wie der bloque nicht «atmungsaktiv», siehe oben.

Ein bedeutender Faktor für den Schutz des Mauerwerks ist der Putz. Dieser sollte immer weicher sein als der Wandbaustoff, damit er mehr Bewegungen des Mauerwerks aufnehmen kann ohne zu reißen.
         Reiner Zementputz ist leider deutlich härter als bloques und seine Verwendung daher als Systemfehler zu bezeichnen. Auch auf Poroton sollte er nur im Sockelbereich (in Deutschland: Spritzwasserbereich) verwendet werden.
         Abhilfe schaffen hier ein Kalk-Zementputz, welcher wiederum seine Probleme bei Wasserbelastung hat oder ein Zementputz mit elastischen Zusätzen. Als Zusätze kommen Polypropylenfasern und Acryl-Elastikmittel in Frage bzw. die Kombination aus beiden.
         Der Putz wird bedingt elastisch, die Biegezugfestigkeit wird deutlich erhöht, er haftet besser und die Wassereindringtiefe wird stark vermindert (wenn die Farbe versagt). Alle Putze dieser Machart mit oder ohne Zusatzmitteln sind ebenfalls nicht «atmungsaktiv».

Wenn das Mauerwerk erst einmal richtig feucht ist und nach Beseitigung der Schadensursache austrocknen muß, kann sich der Einsatz eines sogenannten Sanierungsputzes empfehlen.
         Dies ist eine Putzsorte, die ca. 25% Luftporen enthält, durch die hindurch die Restfeuchte des Mauerwerks diffundieren kann. Dieser Putz wird klassischerweise im Zusammenhang mit der Sanierung von Ausblühungen verwendet.
         Nach vielen Jahren kommt jetzt wieder ein mineralisches Zusatzmittel in Pulverform auf den Markt, das aus reinem Zementputz einen sogenannten «Ent-feuchtungsputz» macht (aero-durit).

Genau das Gegenteil von Sanierputz ist Sperrputz. Hierbei handelt es sich um einen möglichst wasser- und wasserdampfundurchlässigen Putz.
         Sein typisches Anwendungsfeld sind Hauswände, die ganz oder zum Teil ohne Aussenisolierung in der Erde stehen, wo man nicht aufgraben kann oder will, und welche daher dauerfeucht bleiben. Die Feuchtigkeit verbleibt im Mauerwerk, es wird nur eine optisch trockene Oberfläche der Innenwand geschaffen, aber die Ursache des Problems nicht beseitigt.
         In einem solchen Fall ist die sicherere Lösung jedoch immer: Aufgraben, Verlegen von Drainagerohren, Außenisolierung mittels Noppenbahn und Verfüllen mit Drainagekies.

Ist die Fassade erst einmal gerissen, führt oft kein Weg mehr zurück. Die Risse werden jedes Jahr größer, und die Folgeschäden durch eindringendes Wasser nehmen zu. Mit dem Aufstemmen des Risses und Verfüllen mit Mörtel ist es meistens nicht getan.
         Mittlerweile sind auf La Palma alle Produkte deutscher Herstellung für eine erfolgreiche Riss-Sanierung erhältlich: Vliese, die in Spezialfarbe eingebettet werden, elastische Bänder zur Abdeckung des Risses zwischen Mauerwerk und Ringanker, elastische Farben, spezielle Fassadenspachtel auf wasserfester Acrylbasis mit Zusatz von Fasern, die durch ihre Elastizität eine dauerhafte Rissüberbrückung gewährleisten.
         Auf Außenwänden sind gipshaltige Produkte wegen der Schlagregenbelastung unter keinen Umständen zu verwenden. Dies betrifft auch billige und daher nicht wasserfeste Fliesenkleber, die nur für den Innenbereich zugelassen sind.

Die größte Bedeutung für die Wasserdichtigkeit einer nicht gerissenen Außenwand kommt der Qualität der verwendeten Farbe zu. Hier hapert es leider bei den einheimischen Produkten erheblich, wie sich bereits am Preisgefüge ablesen lässt.
         Die Erfahrung hat gezeigt, daß nur eine Fassadenfarbe auf Reinacrylatbasis alle Eigenschaften vereint, die dauerhaften und zuverlässigen Schutz bieten: Wasserdichtigkeit, Schlagregenbeständigkeit, UV-Beständigkeit, Elastizität in mehreren Varianten, Kreidungsstabilität.
         Der Kunde sollte wissen, daß sich Acrylfarbe nennen darf, was nur 20% Acryl und sonst irgendetwas enthält; wir sprechen hier von Reinacrylat.

An dieser Stelle ist auf eine Gruppe sehr stark wasserdampfdurchlässiger Farben hinzuweisen: die Silikonharzfarben. Ihr Vorteil ist, daß feuchtes Mauerwerk durch sie hindurch austrocknen kann, ohne daß es zu Abplatzungserscheinungen kommt.
         Allerdings sind sie nicht so schlagregendicht wie Reinacrylate und sollten daher nicht an der Wetterfassade oder auf horizontalen Flächen wie Brüstungen etc. eingesetzt werden.
         Ihr typisches Einsatzgebiet sind Zonen nach der Salzsanierung, Untersichten von Treppen, die immer wieder naß werden, Balkonansichten mit undichtem Belag, Sichtbetonwände mit Erdhinterfüllung.


Feuchtigkeit, die kapillar im Mauerwerk aufsteigt
(Mauersperrbahn, Verkieselung, Salzsanierung)

Wenn im Fundamentbereich nicht mit wasserdichtem Beton gearbeitet wird, ist es kaum zu vermeiden, daß dieser durch unterirdisches oder absickerndes Oberflächenwasser feucht wird. Durch die Kapillarwirkung steigt diese Feuchtigkeit nach oben in die Wände und setzt die Salzlösung und ihren Transport mit den bekannten zerstörerischen Konsequenzen in Gang.
         Dies ist die Ursache der Ausblühungen im unteren Wanddrittel. Der Feuchtigkeits- und Salztransport findet über den gesamten Querschnitt des Wandbaustoffes statt.
         Der einzige Weg, diesen Vorgang zu verhindern, besteht im Einbau einer Horizontalsperre zwischen erstem und zweitem Mauerstein, welche klassischerweise aus einer speziellen Mauersperrbahn auf der Basis von Polyethylen oder Polyolefin besteht oder auf der von flexiblen Dichtungsschlämmen.
         Völlig ungeeignet ist Asphaltfolie, da sie durch mechanische Belastung und die Alkalinität des frischen Mauermörtels schnell zerstört wird.

Bei vielen Alt- und Neubauten ist die Mauersperrbahn nicht vorhanden oder schadhaft. Da die Feuchtigkeit vor allem auch im Innern des Steins aufsteigt, ist es auf die Dauer sinnlos, nur den betroffenen Putz zu erneuern. Es muß eine sogenannte nachträgliche Horizontalsperre eingebaut werden.
         Dies kann auf verschiedene Art und Weise (chemisch, mechanisch, elektrolytisch) realisiert werden. Hier auf den Kanaren hat sich die Injektion einer Verkieselungsflüssigkeit bzw. einer Mikrosilikonemulsion bewährt.
         Dazu muß allerdings das Mauerwerk geöffnet werden. Nach der chemischen Behandlung wird die Wand wieder geschlossen und mit dem vorher beschriebenen Sanierputz verputzt. Bei Zeitdruck kommt danach eine Silikonharzfarbe zum Einsatz.

Eine solche Sanierung ist relativ aufwendig und nicht ohne spezielle Vorkenntnisse durchzuführen. Deren komplette Beschreibung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.


Drückendes Wasser im Bereich der Schwimmbäder und Tanks und Wasserdampfbildung
(Polyurethan- und Epoxi-Grundierungen, Polyurethan-Farben und Schwimmbadfliesen)

Ein ganz anderer Fall als die zuvor beschriebenen Probleme ist drückendes Wasser (im Gegensatz zu Bodenfeuchtigkeit oder nicht-drückendem Wasser). Von drückendem Wasser spricht man ab einem Pegel von wenigen Zentimetern Wassersäule.
         Es kann also auch im Fundamentbereich von Häusern vorkommen, wenn der Untergrund recht wasserundurchlässig ist, z.B. aus Lehm besteht.

Hier finden wir den klassischen Einsatzbereich von Dichtungsschlämmen, starr oder flexibel, die dafür konzipiert sind, hohen Wasserdruck auszuhalten.
         Als Zementprodukt sind sie allerdings nicht chlorbeständig, dafür aber meistens trinkwassergeeignet.

Im Fundamentbereich von Häusern kommen Bitumen-Dickbeschichtungen mit Faserverstärkung zum Einsatz, welche wesentlich flexibler sind als Dichtungsschlämme, erstklassig kleben und vor allem resistent gegen Mikro-organismen sind, die im Boden vorkommen.

Bei dem Bau von Schwimmbädern wird auf den Kanaren oft ein Kardinalfehler mit weitreichenden Konsequenzen begangen: der verwendete Beton ist nicht wasserdicht (sogenannte weiße Wanne).
         Hinzu kommt, daß die Mauerkrone, also der Beckenumgang, oft direkt mit Natursteinen ohne zwischenliegender Dichtungsschicht belegt wird. Ebenso häufig sieht man angrenzende Rasenflächen, die üppig beregnet werden.
         Die Konsequenz ist in jedem Fall, daß die Betonwände und der Boden dauerfeucht sind. Dies hat nicht nur negative Auswirkungen auf das Eisen im Beton, sondern es kommt vor allem bei Sonneneinstrahlung zu Wasserdampfbildung im Beton. Dieser Wasserdampf drückt in der Folge von innen die Schwimmbadfarbe ab, es kommt zu Blasenbildung. Oft genug löst sich die gesamte Beschichtung mit Glasfaser-Vlies und Polyester-Harz ab.
         In einem solchen Fall muß mit einem speziellen Polyurethan-Harz eine Dampfsperre in den Beton eingebaut werden, wenn nachher mit Farbe gestrichen werden soll. Als Zwischenanstrich kommen Epoxi-Grundierungen und als Endanstrich UV-beständige Polyurethan-Deckanstriche in Betracht, wenn man nicht jedes Jahr streichen will, sonst tut’s auch die altbekannte Chlorkautschuk-Farbe.
         Billiger ist diese Methode auf die Dauer allerdings nicht.

Wenn gefliest werden soll, genügen als Abdichtung flexible, hoch kunststoffvergütete Dichtungsschlämme, welche wasserdampf-durchlässig und relativ chlorbeständig sind und ein flexibler, wasserdampfdurchlässiger und dauerunterwasserfester Fliesenkleber (es gibt nur einen auf den Kanaren und der kommt aus Deutschland).

Ein altbekanntes Problem, das neuerdings verstärkt auftaucht, ist die elektrochemische Korrosion. Da im Schwimmbad verschiedene Metallteile eingebaut sind, die nicht elektrisch miteinander verbunden sind (Betonstahl, Metallteile von Unterwasserlampen, Edelstahltreppe, Metallrohre im Bereich der Wasseraufbereitung), entstehen sogenannte elektrische Potentialunterschiede, ähnlich einer Batterie.
         Da Wasser elektrisch leitend ist, entsteht nun im Schwimmbad ein kontinuierlicher Gleichstrom. Dieser ist zwar sehr gering, aber völlig ausreichend, um z.B. Beton und andere zementhaltige Produkte langsam aber sicher zu zerstören, indem Calciumionen ausgelöst werden. Das Ergebnis sind zu staubfeinem Sand zerbrö-selnde Dichtungsschlämme oder auch große Löcher im Beton.
         Je nach elektrischer Leitfähigkeit der Schwimmbadfarbe wird diese gleich als Erstes mit abgebaut und findet sich dann im Sandfilter des Schwimmbads wieder. Ganz besondere Vorsicht ist bei der Verwendung von elektrolytischen Wasseraufbereitungssystemen geboten, die unterchlorige Säure erzeugen.
         Durch den erhöhten Salzgehalt des Wassers nimmt dessen elektrische Leitfähigkeit erheblich zu und der Schadensverlauf wird dramatisch beschleunigt.

Merke:
         Das beste Produkt kann unkorrekt angewendet werden, und dann funktioniert´s
         nicht !

Aus: La Palma Info Nr. 19, Jahresausgabe 2002 - 2003

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