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MAGIC II TELESKOP
Major Atmospheric Gamma-ray Imaging Cherenkov
(4 Artikel zum Thema)


Magic I und Magic II auf dem Roque de los Muchachos auf La Palma (Bild: faz.net)

Der Gamma-Kosmos wird transparenter (faz.net vom 23.04.2009)
Cherenkov-Teleskop „Magic II“

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich viele Beobachtungsfenster zum Universum geöffnet, manche allerdings nicht weit genug. Mit der Inbetriebnahme eines zweiten Cherenkov-Teleskops auf dem 2200 Meter hohen Roque de los Muchachos auf La Palma (Kanarische Inseln) soll jetzt die kosmische Gammastrahlung im Energiebereich von zwanzig bis zu einigen hundert Milliarden Elektronenvolt noch genauer studiert werden, als das bislang möglich war.
         Dieses Ziel wird durch den Zusammenschluss mit dem weitgehend baugleichen ersten Teleskop erreicht, das sich 85 Meter entfernt befindet.

Normalerweise lassen sich die Gammaquellen im Universum nur von Satelliten aus untersuchen; denn die Gammastrahlung kann die Atmosphäre nicht durchqueren. Der Fluss der kosmischen Gammaphotonen fällt allerdings zu größeren Energien hin stark ab, so dass sich für diese keine Weltraumobservatorien mehr lohnen.
         Deshalb haben die Forscher einen Ausweg ersonnen, mit dem sie die besonders energiereiche und von den Satellitenmessungen nicht mehr erfasste Gammastrahlung indirekt messen können.

Blaue Blitze
Wenn die Gammaphotonen in die Erdatmosphäre eindringen, zerfallen sie in Paare von Elektronen und ihren Antiteilchen, den Positronen. Von diesen Teilchen ausgehend entsteht eine ganze Kaskade, zu der in der Nähe des Erdbodens elektrisch geladene Teilchen gehören, die sich mit größerer als der dortigen Lichtgeschwindigkeit ausbreiten.
         Dadurch wird Cherenkov-Strahlung erzeugt, die für einen winzigen Moment blau aufleuchtet. Der Blitz, der Rückschlüsse auf die ursprüngliche Gammastrahlung zulässt, wird von den Cherenkov-Teleskopen registriert. Die meisten dieser Instrumente geben aber nur über Gammaphotonen mit Energien oberhalb von 300 Milliarden Elektronenvolt Auskunft.

Ende 2003 wurde auf La Palma von einem internationalen Konsortium, dem mehrere deutsche Institute - darunter in führender Position das Max-Planck-Institut für Physik - angehören, das erste von zwei „Magic“-Teleskopen ("Major Atmospheric Gamma Imaging Cherenkov Telescope") in Betrieb genommen.
         Mit dem Gerät ist die Lücke im mittleren Energiebereich geschlossen worden. Der große, mosaikartige Spiegel des Teleskops, der immerhin einen Durchmesser von 17 Metern hat, trug wesentlich dazu bei, dass die Astronomen noch in fünf Milliarden Lichtjahren Distanz eine Gammaquelle orten konnten — ein Schwarzes Loch mit etwa einer Milliarde Sonnenmassen in der Galaxie 3C279.

Reste einer Supernova im Krabbennebel
Die Entdeckung war unter anderem deshalb überraschend, weil niemand damit gerechnet hat, dass so weit entfernte Gammaquellen überhaupt noch zu beobachten sind. Den Modellen zufolge hätte die Gammastrahlung auf dem langen Weg zur Erde durch Reaktionen mit der Hintergrundstrahlung so weit ausgedünnt werden müssen, dass sie schon über viel geringere Distanzen "verschwunden" wäre.

Mit Magic I ist es vor kurzem auch gelungen, gepulste energiereiche Gammastrahlung vom Krabbennebel nachzuweisen - dem Überrest einer Supernova, die im Jahr 1054 im Sternbild Stier aufleuchtete. Generell stammt die energiereiche kosmische Gammastrahlung von den gewaltigsten Prozessen im Kosmos. Dazu zählen neben den Sternexplosionen auch die Prozesse in aktiven Galaxienkernen, die mit Schwarzen Löchern verbunden sind.

 

MAGIC-II Teleskop enträtselt Gamma Ray Bursts (scinexx.de vom 24.04.2009)
Neue Einsichten in die Geschichte von Strahlungsvorgängen im Universum?

Es hat eine Spiegelgröße von 247 Quadratmetern und es soll die mysteriösen Gammastrahlungsblitze im Universum beobachten: Das zweite MAGIC (Major Atmospheric Gamma-ray Imaging Cherenkov) Teleskop auf der Kanareninsel La Palma ist startklar und nimmt morgen offiziell seinen Betrieb auf.
         Zusammen mit dem MAGIC I-Teleskop bietet das weltweit größte Gammastrahlenteleskop nun neue astrophysikalische Forschungsmöglichkeiten.


(Bild: scinexx.de)

MAGIC-Teleskope
Die Untersuchung von Beschleunigungsmechanismen für Elementarteilchen in galaktischen und extragalaktischen Objekten beispielsweise erlaubt neue fundamentale Einsichten in die Geschichte von gewaltigen Strahlungsvorgängen im Universum.

Mit der „First Light Zeremonie“ stellt die internationale MAGIC-Kollaboration am 24. und 25. April 2009 MAGIC-II der Öffentlichkeit vor. Mit MAGIC-II wollen die Wissenschaftler neue galaktische und extragalaktische Quellen hochenergetischer Gammastrahlung entdecken. Diese Strahlung stammt von den gewaltigsten Prozessen im Universum, wie Sternexplosionen, Pulsarwind-Nebeln und aktiven Galaxienkernen.

Größte Cherenkov-Teleskope der Welt
Die hervorragenden atmosphärischen Bedingungen auf dem 2.200 Meter hoch gelegenen Roque-de-los-Muchachos-Observatorium erlauben den MAGIC-Teleskopen, die hochenergetische Gammastrahlung durch Cherenkov- Lichtblitze zu messen. Dieses bläuliche Licht wird von Sekundärteilchen ausgestrahlt, die durch die ursprünglichen Gammastrahlen in der Atmosphäre erzeugt werden.
         Mit ihren beiden, im Durchmesser je 17 Metern großen, Spiegelflächen sind die MAGIC-Teleskope die größten Cherenkov-Teleskope der Welt.

Magic-I lieferte herausragender Resultate
Das 2004 in Betrieb genommene erste MAGIC-Teleskop kann nach Angaben der Forscher bereits eine Reihe herausragender Resultate vorweisen, insbesondere die Entdeckung der beiden weitentferntesten aktiven Galaxienkerne im Gammalicht sowie Untersuchungen der weithin unverstandenen Gammastrahlungsblitze.
         Zudem konnte MAGIC vor kurzem erstmals gepulste hochenergetische Gammastrahlung vom Krebsnebel nachweisen.

Um die Gammastrahlung mit einer noch höheren Empfindlichkeit zu messen, begann die MAGIC-Kollaboration bereits 2005 mit der Konstruktion von MAGIC-II. Das zweite MAGIC-Teleskop entspricht weitestgehend dem ersten Teleskop mit einem mosaikartigen, 247 Quadratmeter großen Spiegel. Dieser wird getragen von einer besonders leichten und widerstandsfähigen Kohlefaserstruktur.

Gammastrahlungsblitze räumlich beobachten
Dank eines leistungsfähigen Antriebssystems kann das Teleskop innerhalb von 40 Sekunden jeden Punkt am Himmel anvisieren, um die mysteriösen kurzen Gammastrahlungsblitze — so genannte Gamma Ray Bursts — zu untersuchen. 85 Meter voneinander entfernt können beide Teleskope stereoskopisch betrieben werden, das heißt die Gammastrahlungsblitze räumlich beobachten.

Die Wissenschaftler hoffen nun, viele neue und unverstandene Gammastrahlungs-Quellen zu entdecken.
         Abgesehen von den Untersuchungen der Gammaquellen selbst können sie auch zum tieferen Verständnis des gesamten Universums und grundlegender Physik beitragen, indem sie beispielsweise zur Suche nach dunkler Materie oder zu neuen Erkenntnissen über Quanteneffekte der Gravitation verhelfen. Erste Resultate von MAGIC-II werden voraussichtlich bereits im Frühsommer 2009 vorliegen.

Internationale Kollaboration
Eine große internationale Kollaboration baute und betreibt die MAGIC-Teleskope. Momentan besteht dieser Zusammenschluss aus etwa 150 Wissenschaftlern aus Instituten aus Deutschland, Italien, Spanien, der Schweiz, Polen, Finnland, Kroatien, Bulgarien und den USA, die sich auch die geschätzten vier Millionen Euro Baukosten des zweiten Teleskops geteilt haben.
         Das Max-Planck-Institut für Physik in München nimmt innerhalb von MAGIC eine führende Rolle ein. Aus Deutschland sind weiterhin die Universitäten Würzburg und Dortmund sowie das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) Zeuthen beteiligt.

 

Stereoblick ins All (suedeutsche.de vom 24.04.2009)
Teleskop auf La Palma soll Energieblitze im Kosmos finden

Zwei Augen sehen mehr — davon sind auch Weltraumforscher des Max-Planck-Instituts für Physik in München überzeugt. An diesem Samstag werden sie auf der Kanareninsel La Palma ein neues Teleskop in Betrieb nehmen.
         Das Magic II genannte Weltraumauge ist auf Gammastrahlen spezialisiert, das sind äußerst energiereiche elektromagnetische Wellen, wie sie auf der Erde nur bei radioaktiven Zerfällen entstehen. Zusammen mit dem ersten Magic-Observatorium, das bereits seit 2004 arbeitet, soll der doppelte Blick in den Himmel neue Erkenntnisse über die energiereichsten Prozesse im Universum liefern.

"Durch Magic erhalten wir Einblicke in einen Teil des elektromagnetischen Spektrums, der bislang nicht beobachtet werden konnte", sagt Masahiro Teshima, Sprecher der europäisch-amerikanischen Magic-Kollaboration.
         Reste von Sternenexplosionen, geheimnisvolle Neutronensterne, aber auch Schwarze Löcher, die im Zentrum von Galaxien Unmengen Materie verschlucken — all diese Himmelskörper schicken Gammastrahlen ins All. Innerhalb kürzester Zeit kann dabei so viel Energie freigesetzt werden, wie unsere Sonne während ihrer gesamten Brennzeit absondert.

Das ferne Gammalicht ist zwar energiereich, aber auch so gut wie unsichtbar. Satelliten-Teleskope können es zwar aufspüren, durch die Lufthülle der Erde kommt nichts am Boden an: Die Atmosphäre schluckt die Gammastrahlung und schützt dadurch die Menschen vor dem Beschuss aus dem All.

Indirekt lässt sich diese kosmische Strahlung dennoch vom Erdboden aus beobachten: Trifft ein Gammateilchen auf ein Luftmolekül, schlägt es Elektronen und deren Antiteilchen, Positronen, frei. Diese Elementarteilchen kollidieren ihrerseits wieder mit Molekülen und setzen dabei erneut Gammastrahlung frei.
         Es entsteht eine Teilchen-Kaskade, die einen eng gebündelten, bläulichen Lichtschein erzeugt, der wie eine schwache Taschenlampe auf die Erde leuchtet. Dieses charakteristische Leuchten können die 17 Meter großen Schüsseln des Magic-Teleskops auffangen. Aus dem gemessenen Lichtkegel lassen sich dann Richtung, Energie und zeitlicher Verlauf der Gammastrahlung rekonstruieren.

Das blaue Leuchten ist allerdings äußerst schwach. Deshalb stehen die Teleskope in einer der klarsten und dunkelsten Ecken Europas: an den Hängen des erloschenen Vulkans Roque de los Muchachos auf La Palma. Dort, auf etwa 2200 Meter Höhe, sind Wolken eine Seltenheit, die örtliche Beleuchtung stört kaum.
         Dennoch gelingt die Beobachtung nur in den Nächten rund um Neumond.Astrophysiker hoffen nun auch die schwächeren Gammaquellen im All nachweisen zu können - der gleichzeitige Einsatz beider Magic-Teleskope, die 85 Meter voneinander entfernt stehen, soll das möglich machen.
         Der Stereoblick wird zudem helfen, die Herkunft des Gammalichts genau zu lokalisieren. In nur 40 Sekunden können die Teleskope jeden Punkt am Himmel fixieren.

Etwa vier Millionen Euro hat das zweite Auge des Magic-Projektes gekostet; mehr als 20 Forschungsinstitute aus neun Ländern haben dafür zusammengelegt.


(Bild: dpa)

Teleskop auf La Palma ist das größte der Welt (welt.de vom 21.07.2009)
Forscher nennen es schlicht: "Kathedrale der Astronomie". Das Gran Telescopio Canarias ist so stark wie vier Millionen menschliche Pupillen und so präzise, dass es Linsen auf dem Mond erkennen könnte.
         Jetzt geht das größte Teleskop der Welt auf dem höchsten Gipfel der kleinen Kanaren-Insel La Palma in Betrieb.

Es wäre der Traum des Galileo Galilei. Knapp 400 Jahre, nachdem der Begründer der modernen Astronomie mit seinem Fernrohr die vier größten Jupiter-Monde entdeckte, ist auf der Kanaren-Insel La Palma das bislang größte Spiegelteleskop der Welt fertig gestellt worden.
         An diesem Freitag wird es von Spaniens König Juan Carlos offiziell in Betrieb genommen.

„Es ist wie ein Wunder“, schwärmt Francisco Sßnchez, der Direktor des Astrophysikalischen Instituts der Kanaren (IAC), welches das Vorhaben 1987 ins Leben rief. Vor zehn Jahren begannen dann die Bauarbeiten der rund 130 Millionen Euro teuren Sternwarte.
         Sie steht in 2400 Metern Höhe auf dem Roque de los Muchachos, dem höchsten Gipfel der kleinen Kanaren-Insel. „Es herrschte damals große Skepsis“, erinnert sich Projektleiter Pedro Alvarez. „Und auch Angst, uns lächerlich zu machen“, räumt er ein.
         Denn an ein so technologisch kompliziertes Unterfangen hatte sich Spanien zuvor nie herangewagt. Nun aber zählt das Land in diesem Bereich zur internationalen Elite.

Mit dem Grantecan, auch als GTC bekannt, wollen die Wissenschaftler in bislang unerreichte Tiefen des Universums vordringen, fast bis zum Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren.
         Sie wollen ferne Galaxien erforschen, die Entstehung von Sternen beobachten und weitere Planeten außerhalb unseres Sonnensystems finden. „Es wäre natürlich wunderbar, wenn dieses Teleskop uns dabei helfen könnte, einen Planeten zu entdecken, der unserem ähnelt. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass es auch anderswo im Universum Leben geben kann“, so Alvarez.

Das Herzstück dieses „Galaxien-Jägers“ ist ein Spiegel von 10,4 Metern Durchmesser, der vom Mainzer Technologiekonzern Schott gefertigt wurde. Er ist rund sechs Quadratmeter größer als die der anderen Riesenteleskope — in der Astronomie sind das Welten. Der Spiegel besteht aus 36 sechseckigen Segmenten, die zusammen 18 Tonnen wiegen.
         Das Teleskop insgesamt ist etwa 400 Tonnen schwer - und lässt sich dennoch mühelos mit der Hand bewegen, da es auf einer dünnen Ölschicht „schwimmt“. Die „Kathedrale der Astronomie“, wie die imposante Konstruktion genannt wird, ist 45 Meter hoch. Das entspricht einem 14-stöckigen Hochhaus.

Riesenfernrohre gibt es bislang etwa auf dem Gipfel des erloschenen Vulkans Mauna Kea auf Hawaii (Keck I und Keck II) oder auf dem Cerro Paranal in Chile, wo die Europäische Südsternwarte (ESO) das Very Large Telescope (VLT) betreibt. Keines von ihnen hat aber die Ausmaße des Grantecan.
         Dessen Standort ist zudem in Europa einzigartig. Der klare Himmel über La Palma — geschützt durch ein Gesetz, das in der Umgebung fremde Lichtquellen verbietet - und ein in der Regel gleichmäßig wehender Wind erleichtern die Arbeit der Sterngucker. Nicht umsonst gilt das Grantecan als bestes Instrument zur Erforschung des Himmels auf der Nordhalbkugel.

Auf dem Gelände betreiben das IAC und andere Forschungszentren bereits mehrere Sternwarten. Finanziert wurde das Grantecan größtenteils von der spanischen und der kanarischen Regierung. Beteiligt sind zudem Universitäten aus Mexiko und den USA.

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